Autor: Walter Kraus

Ich bin, also denke ich.

Lyvten – Bausatzkummer

„…sondern vom Mut, mit dem du lebst“ – ein Album wie ein Nackenschlag. Vor ziemlich genau zwei Jahren debütierten die Schweizer Lyvten mit diesem kleinen Punk-Kunstwerk samt dezentem Hardcore-Charme. Ihren Sinn für düsteren Tiefsinn behielt sich das Quartett, neuer Bassist hin, verfeinerter Sound her. „Bausatzkummer“ ist alles, nur nicht generisch, und verbindet Wut und Eingängigkeit mit einem Hauch von Emo-Chic.

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Cassels – Epithet

Alternative Rock für die Generation Poetry Slam: So oder so ähnlich lässt sich der ungewöhnliche Sound der britischen Brüder Loz und Jim Beck beschreiben, die bereits seit ihrer frühesten Jugend gemeinsam Musik machen. Als Cassels vermischen sie Alternative, Punk, Noise und noch viel mehr mit wortreichen, ausschweifenden Texten, die keineswegs mit Sozialkritik und scharfem politischen Kommentar sparen. Nach diversen gefeierten Kleinformaten erscheint nun das Debütalbum „Epithet“.

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Dhani Harrison – IN///PARALLEL

Um etwaigen Fragen zuvorzukommen: Ja, er ist DER Dhani Harrison. Ja, er tritt in große musikalische Fußstapfen. Der Grammy-Gewinner und Frontmann von thenewno2 arbeitete in den letzten Jahren vor allem an Soundtracks und lässt diese Erfahrungen nun in sein erstes Solo-Album einfließen. Tatsächlich ist „IN///PARALLEL“ eine überaus eklektische musikalische Collagenarbeit geworden, die nur rudimentär mit Harrisons Band und herzich wenig mit seinem berühmten Vater zu tun hat. Und gerade das macht die Platte so spannend.

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Winston Surfshirt – Sponge Cake

Auch wenn mittlerweile Regen und kühle Temperaturen das Wettergeschehen zu diktieren versuchen, geht nichts über eine feine Prise Sommer. Dafür sind – natürlich, möchte man beinahe sagen – sechs Australier verantwortlich. Winston Surfshirt, ursprünglich als Solo-Projekt gedacht, zeigen sich mit betonter Lässigkeit zwischen HipHop-Beats, jazzigem Charme und luftig-leichten Soulklängen. Zeitlos, pulsierend, entspannt und partytauglich – auf „Sponge Cake“ kommt all das und noch viel mehr zusammen.

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Otherkin – OK

Sie waren bereits auf Tour mit Fall Out Boy, Guns N‘ Roses und Red Hot Chili Peppers, nun kommt das eigene Album: Otherkin sind drauf und dran, die britische Rockszene zu erobern. Mit einem rotzigen und doch eingängigen Sound, der an US-Punk und britischen Garage Rock erinnert, tanken sich ihre Singles bereits seit geraumer Zeit durch gute Streamzahlen und Radio-Airplay. „OK“ verspricht nun kurzweilige Unterhaltung in zwölf Kapiteln.

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Protomartyr – Relatives In Descent

Was ist Wahrheit? Und warum muss 2017 überhaupt darüber nachgedacht werden? Das fragten sich wohl auch Protomartyr, als sie mit den Arbeiten an ihrem vierten Studioalbum – ihr Debüt für Domino Records – begannen. Die vergleichsweise jungen Post-Punk-Heroen aus Detroit, Michigan erklärten „Relatives In Descent“ zu einer Sinn- und Erkenntnissuche. Wenn auch nicht explizit ein Konzeptalbum, so erkunden die US-Amerikaner Variationen von Wahrheit und Wahrheitsverständnis in zwölf aufwühlenden Kapiteln.

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Beliefs – Habitat

Dekonstruktion als Kunstform – daran darf man ruhig glauben, wenn man Beliefs heißt. Das dümmlich-hinkende Wortspiel ausgeklammert, sind die Kanadier gerade drauf und ran, sich und ihren Shoegaze-Sound neu zu erfinden. Auf ihrem mittlerweile dritten Studioalbum „Habitat“ brechen Jesse Crowe und Josh Korody etablierte Strukturen auf und entdecken Noise-Pop der 80s mit all seinen Dissonanzen und Präfixen für sich.

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Cold Specks – Fool’s Paradise

Alles anders und doch so vertraut: Auf ihrem dritten Album bricht Cold Specks gen neue Ufer auf und begibt sich auf die Suche nach ihrer Identität als kanadisch-somalische Frau. Die bleierne Schwere von „I Predict A Graceful Explusion“ und die experimentelle Power von „Neuroplasticity“ weichen warmen RnB-Klängen und einem Hauch von Melancholie. „Fool’s Paradise“ zeugt von einer Künstlerin, die sich, ihren Sound und ihre Identität gefunden hat.

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Jordan Rakei – Wallflower

Stets mit seiner Introvertiertheit und geplagten Seele ringend, scheint Musik für Jordan Rakei zum Vehikel zu werden, zur Ausdrucksform, zur Selbstverwirklichung trotz aller Hindernisse. Der geborene Neuseeländer steht nach einer starken EP und einem ebenso guten Album in Eigenregie nun bei Ninja Tune unter Vertrag, wo sein herrlich eigentümlicher Mix aus Jazz, Soul und Electro nun die verdiente Bühne erhält. „Wallflower“ geht betont locker mit hohen Erwartungen um.

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The Loranes – 2nd

Schönes Ding, dieses „Trust“, und quasi aus dem Nichts: The Loranes debütierten vor zwei Jahren mit einem herrlich rockigen Nackenschlag zwischen Blues, Garage und einem Hauch Psychedelia. Stillstand ist dem Trio jedoch fremd. Ein hartes Jahr voller Rückschläge und Veränderungen haben sie hinter sich, man driftete auseinander in verschiedenste Himmelsrichtungen und konsolidierte sich schließlich in den südlichen Alpen für ein neues Machwerk. Das nennt sich schlicht und ergreifend „2nd“, und präsentiert sich noch eine Spur ruppiger.

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