Yard Act – You’re Gonna Need A Little Music

Nach zwei starken Alben nun also das dritte Kapitel in der noch jungen Erfolgsgeschichte von Yard Act: „The Overload“ schlug Anfang 2022 als Teil einer weiteren großen Post-Punk-Welle ein, blickte schon damals über den Tellerrand. „Where’s My Utopia?“ knüpfte zwei Jahre später daran an. Dieses Mal wollte das Quartett aus Leeds aber einige Dinge anders machen. Man nahm sich eine kleine Auszeit, schrieb 40 bis 50 Songs und wagte sich noch weiter hinaus. Bassist Ryan Needham nannte Blurs legendäres „Parklife“ als Einfluss, was sich tatsächlich nicht von der Hand weisen lässt. „You’re Gonna Need A Little Music“ ist aber keinesfalls eine Britpop-Platte geworden.
Erstmals komplett live im Studio eingespielt, verschieben sich einfach ’nur‘ ein paar Parameter. Wie in „Talky Talky People“, das tatsächlich nach Mittneunzigern klingt, verspielt und überdreht, inhärenten Sarkasmus versprühend und letztlich mit vertrauter Jenseitigkeit versehen. Odd-Pop verwandelt sich schrittweise in Art Rock – kurios, hymnisch und kauzig zugleich. Der Titelsong „You’re Gonna Need A Little Music“ mit Spoken-Word-Vortrag, dicken Gitarren und Disco-Bassline passt ebenfalls in diese Riege. Der mächtige Refrain drängt ein wenig in Richtung Club, dahinter steckt ein fast desolates Fundament, das sich nach und nach selbst zerlegt.
Drückenden Post Punk mit kunstvoller Schlagseite gibt es natürlich weiterhin in Hülle und Fülle. Das komplett kaputte „Redeemer“ nähert sich dem noisigen Vollabriss, lässt James Smith schrittweise verzweifeln, während sich kleine Knoten in den Stimmbändern bilden. „Fiction“ ist die bekömmliche, tanzbare Antwort, angenehm funky und mit punkigen Gitarrenwänden aufwartend. Im Vergleich dazu wirkt der Opener „Empty Pledges“ bedrohlich bis apokalyptisch, klingt nach Untergang und wächst dabei immer wieder. Yard Act wandeln am Abgrund und springen schließlich einfach. Das hektische „Thrill Of The Chase“ packt hingegen die Essenz der Band in zweieinhalb überdrehte Minuten und klopft alle Silben der Welt in wahnwitzige Strophen.
Yard Act eskalieren komplett und sorgen damit für absolute Unterhaltung auf allen Ebenen. Trotz aller zugänglicher Momente dauert es eine ganze Weile, bis sich „You’re Gonna Need A Little Music“ findet. Das liegt nicht zuletzt an der kompletten, kapitalen Überforderung, die dieses dritte Album zumindest bei den ersten Durchläufen verbreitet. Apokalyptischer Post Punk, noisiger Indie-Sound, verkopfter Art-Pop und Mittneunziger-Wahnsinn samt Disco-Exkursen können problemlos nebeneinanderstehen, machen in kuriosen Kombinationen erstaunlich viel Sinn. Hier steckt massig Herz, Hirn und Liebe zum Detail drinnen, aber eben auch die gekonnt auf Platte übertragene Live-Energie. Yard Act punkten mit ihrem womöglich bislang besten Album einmal mehr.
Wertung: 4,5/5
Erhältlich ab: 17.07.2026
Erhältlich über: Island Records (Universal Music)
Website: www.yardactors.com
Facebook: www.facebook.com/YardActBand
