Citizen – Halcyon Blues

Citizen
(c) Alba Jefferson

Zarte Veränderungen und konstante Bewegung begleiten Citizen seit ihrem ersten, vor 13 Jahren veröffentlichten Album. Das Quintett aus Toledo im US-Bundesstaat Ohio entfernte sich zuletzt noch weiter von Emo und Post-Hardcore, gestaltete den Rock auf „Calling The Dogs“ zuletzt immer wieder angenehm und sympathisch poppig. Ihr mittlerweile sechstes Studioalbum, das sich unter anderem mit den bittersüßen Aspekten des Erwachsenwerdens befasst, verzichtet auf eine direkte musikalische Antwort auf den Vorgänger und macht stattdessen einfach. „Halcyon Blues“ klingt über weite Strecken wie ein kleiner Streifzug durch das bisherige Schaffen.

Und das kann gelegentlich durchaus heavy ausfallen. Wie „Matador“, das Dringlichkeit in ein relativ entspanntes Umfeld packt, immer wieder nervös zuckt und erstaunlich aufgekratzte Shouts von Mat Kerekes in verkopften Post-Hardcore verpackt, nur um im nächsten Moment melancholische Pop-Melodien zu bemühen. „Is It In My Brain?“ tut dies auf eingängigere Variante. Ein wahres Meer an Gitarren und die drückende Rhythmusabteilung spielen mit Post Punk und Garage Rock, The K’s winken als moderne Referenz ums Eck, und doch ist alles hieran Citizen in Reinkultur – energisch, kraftvoll und zugleich als unwiderstehlicher Ohrwurm ausgelegt.

Später bahnen sie sich einen Weg durch sämtliche „Highs And Lows“. Der massive Klangwall spielt gekonnt mit Laut-Leise-Dynamik, überrascht mit einer kleinen, aber feinen Prise Emo und wird vor allem im Chorus richtig schön mächtig. Kolossale Wellen überwältigen beinahe. Hingegen eröffnet „Good Fortune“ mit furiosen Drumsalven und tänzelt schließlich durch modernen Alternative Rock mit leicht jenseitigen Untertönen. Citizen entfachen eine Druckwelle nach der anderen, bauen sich massiv auf und täuschen sogar etwas Pop-Punk mittendrin an. Das folgende „I Can See You From Here“ macht noch mehr Druck und ist gleichzeitig eingängiger, während ein Foo Fighters-Riff verstohlen ums Eck linst.

Bis zum großen, kleinen Fernweh-Finale in Form von „Anne“ dürfen wechselnde, widersprüchliche Stimmungen und nuancierte Nachdenklichkeit wiederholt miteinander kollidieren. Citizen greifen gerne mal auf alte Qualitäten zurück, betten diese aber stets in einen zeitgemäßen Kontext ein und gehen damit den sprichwörtlichen nächsten Schritt. „Halcyon Blues“ ist weder Evolution noch Revolution, verzichtet auf große Neuigkeiten und konsolidiert sich stattdessen einfach ’nur‘ auf hohem Niveau. Das US-Quintett schiebt eine weitere packende Rockplatte nach, voller feinnsinniger Details und leicht melancholischer Wehmut, und etabliert sich endgültig als Must-Hear-Band.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 07.08.2026
Erhältlich über: Run For Cover Records (Cargo Records)

Website: citizentheband.net
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