Schlagwort: Emo

Swain

Swain – Infinite Child

Geduld ist eine Tugend, mit der Fans von Swain mittlerweile bestens vertraut sein sollten. Gut, gleich sechs Jahre seit „Negative Space“ sind natürlich eine ganze Menge Holz. Die Welt veränderte sich schnell, und auch bei den Niederländern ist einiges anders. Einerseits kommt man aktuell nur noch in Trio-Besetzung ins Eck, andererseits setzt sich die musikalische Weiterentwicklung fort. Ihr nunmehr viertes Album könnte kaum weiter von den lärmenden Anfangstagen entfernt sein, gibt sich deutlich emotionaler und introvertierter, ohne dabei auf die vertraute Intensität zu vergessen. Unter der Ägide von Szene-Produzentenlegende J. Robbins entstand mit „Infinite Child“ ein bewegendes Happening.

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The Satellite Year

The Satellite Year – Shipwreck

Der Satellit kreist wieder in der Umlaufbahn: 2007 im Saarland gegründet, veröffentlichten The Satellite Year zwei Alben unter diesem Namen, bevor sie nach diversen Besetzungswechseln eine Zäsur beschlossen und zu Atlanta Arrival wurden. Vor dem Release des einzigen Albums unter diesem Namen erlag Schlagzeuger Björn Mertz im Alter von nur 24 Jahren einem Hirntumor. Nach einer Zwangspause wegen Pandemie und zwei Proberaumwechseln reifte der Wunsch, zurück zu den Wurzeln zu kehren. The Satellite Year sind wieder da und verarbeiten auf „Shipwreck“ eine in jeder Hinsicht ereignisreiche Zeit im vertrauten Soundgewand.

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Suzzallo

Suzzallo – The Quiet Year

Rocky Votolato findet zurück zum Bandformat. Der Anlass dafür ist jedoch alles andere als schön: Im Dezember 2001 verstarb sein 22jähriger Sohn Kienan bei einem Autounfall, im Folgejahr erschien das zu diesem Zeitpunkt bereits fertig geschriebene, der Familie gewidmete Soloalbum „Wild Roots“, das in weiterer Folge eine neue Bedeutung annahm. Gemeinsam mit Steve Bonnell (Schoolyard Heroes) und Rudy Gajadhar von seiner ehemaligen Band Waxwing rief Votolato Suzzallo ins Leben, um extreme Trauer durch laute Gitarrenmusik in etwas Schönes, Heilendes umzuwandeln. „The Quiet Year“ vermittelt rohe, aufwühlende Katharsis.

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Captain Planet

Captain Planet – Reste

Ausschussware gibt es bei Captain Planet nicht – maximal Material, das vielleicht gerade nicht auf ein Album passte oder nicht rechtzeitig fertig wurde. Das gilt natürlich auch für „Come On, Cat“, das im September 2023 die Band nach sieben Jahren Plattenpause in Bestform zurückholte. Übrig blieb laut Gitarrist Benni Sturm „ein bunter kleiner Haufen von Sachen, die nochmal gesagt werden mussten“. Frohsinn darf man sich natürlich nicht erwarten, wohl aber gewohnt wertigen, intensiven Indie-Punk, der demnächst auch wieder fleißig betourt wird. Dann ist garantiert auch der eine oder andere Track der EP „Reste“ dabei.

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Air Drawn Dagger

Air Drawn Dagger – A Guide For Apparitions

Ein Geheimtipp aus Sheffield setzt zum großen Wurf an: Zumindest jenseits der Heimat kennt man Air Drawn Dagger bislang kaum. Das britische Trio veröffentlichte diverse EPs, Singles sowie ein Mixtape und vermischt unter anderem Emo, Grunge, Alternative Rock, Pop Punk und Elektronik zu einem hymnischen wie sperrigen Mix. Inmitten aller Widersprüchlichkeit schlug Long Branch Records zu und bietet der Band nun eine anständige Bühne für ihren modernen und zugleich aus der Zeit gefallenen Mix. Das erste Album „A Guide For Apparitions“ lehnt sich musikalisch weiter aus dem Fenster und stellt zugleich diverse Figuren auf einem Werk über Nekromantie, Geistwesen, Hexerei und Erscheinungen vor.

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Oversize

Oversize – Vital Signs

Zwei EPs und umjubelte Gigs brachten Oversize binnen kürzester Zeit ins Visier diverser Tastemaker auf der Insel. Das britische Quintett versteht sich auf einen bewusst 90s-lastigen Sound, der rund um Shoegaze unter anderem Emo, Alternative Rock, Metal und etwas Post-Hardcore reiht, als würden Hum und Deftones gemeinsame Sache machen. Und doch zieht die Band ihr eigenes Ding durch, arbeitet mit Klangräumen und ausufernder, dynamischer Arrangierung. Ihr erstes Album „Vital Signs“ löst frühe Versprechung erstaunlich souverän und unfassbar mitreißend ein – and then some.

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Anxious

Anxious – Bambi

Nach dem Release ihres starken ersten Albums „Little Green House“ gingen Anxious erst einmal zwei Jahre lang auf Tournee. Unter umjubelte Konzertreisen mischten sich jedoch Zweifel. So spielte Sänger Grady Allen mit dem Gedanken, den College-Abschluss nachzuholen, was innerhalb der Band für Spannungen sorgte und sogar einen Bruch in den Raum stellte. Eine Tour durch Asien und die USA brachte Anxious zurück ins Gleichgewicht, im Studio erkämpfte man sich das Vertrauen zurück. Zugleich zeigt sich „Bambi“, ein ursprünglich angedachter Bandname in jugendlichem Übermut, im besten Sinne größer und erwachsener, durch die kleinen und großen Krisen gestärkt.

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Tiny Moving Parts

Tiny Moving Parts – Deep In The Blue

Neun Alben in 16 Jahren – Tiny Moving Parts zählen ohne Frage zu den fleißigsten Emo-Bands der Gegenwart. Seinen Sound hatte das Trio schnell gefunden und mischt Midwest-Klänge mit Math Rock, mit Alternative, etwas Punk und sogar Power Pop. Wie schon der selbstbetitelte Vorgänger erschien „Deep In The Blue“ in Eigenregie und ohne große Vorankündigung, ging fast etwas unter. Das ist allerdings mehr als unverdient, denn gelingt es den Herren aus Benson im US-Bundesstaat Minnesota doch einmal mehr höchst souverän und unterhaltsam, ihren mächtigen und unterhaltsamen Stiefel durchzuziehen.

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The Mourning Post

The Mourning Post – Everything Must Stay

Eigentlich ein Wahnsinn: Fast 15 Jahre nach ihrer Gründung präsentieren The Mourning Post ihr erstes Album. Dazwischen liegen zwei EPs, mehrere Besetzungswechsel und andere Rückschläge, wie das plötzliche Wegfallen ihres Proberaums. Das in Köln und Düsseldorf residierende Quartett besinnt sich zwar weiterhin auf knackigen, intensiven Emo mit kleineren Überraschungen, dafür entwickelten sich die Themen weiter. „Everything Must Stay“ befasst sich mit elementaren Fragen des Lebens, mit dem Menschsein an sich, der eigenen Vergangenheit und der fremden Zukunft, und wagt sich im richtigen Moment gerne mal etwas weiter hinaus.

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Kaptain Kaizen

Kaptain Kaizen – Für 3 Minuten 11

Die Aufnahmen ihres neuen Albums brachten Kaptain Kaizen an die Grenzen. Sie fingen noch vor der Pandemie mit dem Nachfolger von „Alles und nichts“ an, scheiterten in dieser unwirklichen Zeit beinahe und konnten sich dennoch, trotz aller Widersprüche, behaupten. An der Intensität des Mannheimer Quartetts änderte sich freilich wenig, denn nach wie vor dominiert roher Punk mit Emo- und leichter Hardcore-Schlagseite, begleitet von pointierten deutschen Texten, die zwischen präziser Kritik und einem leichten Augenzwinkern pendeln. Und so strahlt auch „Für 3 Minuten 11“, benannt nach der durchschnittlichen Länge eines Popsongs, hell und düster zugleich.

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