Schlagwort: Indie Pop

Sunflower Bean

Sunflower Bean – Mortal Primetime

Beinahe hätte es dieses Album nicht gegeben, denn die drei Musiker*innen hinter Sunflower Bean hatte sich etwas auseinandergelebt. Geographische Veränderungen, zerbrochene Beziehungen, neue Songwriting-Schwerpunkte und Nebenprojekte wirbelten einiges durcheinander. Und doch versuchte man es noch einmal, traf sich – mit bewährtem Team im Hintergrund – in Los Angeles und spürte die Magie schnell wieder. Letztlich entschied man sich, die inzwischen vierte Platte selbst zu produzieren und live im Studio zu tracken. „Mortal Primetime“ fängt das Unmittelbare des Trios ein und erforscht einmal mehr den ureigenen Sound.

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Eli Greenhoe & Hans Bilger

Eli Greenhoe & Hans Bilger – Orchids

Zwei gefragte Musiker, Songwriter, Komponisten und Dozenten mit einer erneuten gemeinsamen Mission: Bereits 2020 veröffentlichten Eli Greenhoe und Hans Bilger, beide aus Brooklyn stammend, ein gemeinsames Album als Airborne Charlie. Zu hören war eine Mischung aus Folk, aus Pop, aus typischen Songwriter-Klängen, aber auch avantgardistische Kammermusik-Elemente, inspiriert von Motiven aus der Klassik. Exakt da setzt auch ihr neuester Streich an, dieses Mal unter ihren bürgerlichen Namen veröffentlicht. „Orchids“ wurde überall aufgenommen und doch kaum mal in einem Studio, und nützt die unterschiedlichen Klangräume als entsprechende Kulisse.

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Nell Smith (c) Alex Hanson

Nell Smith – Anxious

Posthume Alben sind eine knifflige Angelegenheit, gerade auf emotionaler sowie auf kreativer Ebene. Wird die Musik dem künsterlischen Erbe und den Vorstellungen zu Lebzeiten gerecht? Wie seriös, wie ehrlich kann eine Bewertung erfolgen? Bei einer 17jährigen ist dies eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Nell Smith verstarb im Vorjahr als Teenager, stand erst am Anfang ihrer musikalischen Karriere. Zuvor hatte sie gemeinsam mit den Flaming Lips ein hevorragendes Nick Cave-Coveralbum aufgenommen, schrieb später gemeinsam mit Shred Kelly und hatte im Alter von 15 Jahren eine einzige Studiosession. Nun sorgsam fertiggestellt, zeigt „Anxious“ eine junge Künstlerin, die noch so viel vorhatte.

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Odd Couple

Odd Couple – Rush-Hour des Lebens

Von den Köpfen und den Festplatten über den Datenstrom bis zur finalen Platte, so gestalteten sich die letzten vier Jahren bei Odd Couple, die nach einer Möglichkeit suchten, ihren weiterhin angenehm schrägen Sound zu konkretisieren. Berlin trifft Dada, Garage Rock trifft Kraut, verträumter Fuzz-Pop kollidiert mit Psychedelia, Sein ringt mit Schein – für Jascha Kreft und Tammo Dehn ein Versuch, den Flickenteppich nach der erzwungenen Ausbremsung zusammenzustückeln. „Rush-Hour des Lebens“ ließ sich erzwungenermaßen viel Zeit und schafft es trotzdem, bei aller Vielschichtigkeit stets fest im Hier und Jetzt verankert zu bleiben.

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Kids Return

Kids Return – 1997

Adrien Rozé und Clément Savoye sind beide Jahrgang 1997, und das soll man auch hören. Als Kids Return bedienten sie sich auf ihrem ersten Album vorwiegend bei 70s-Sounds, wollen nun aber einer Ära der musikalischen Neuerungen Tribut zollen, die von zwei Strömungen geprägt war: Britpop und in Frankreich erzeugter, global exportierter Indie Pop. Zugleich soll diese Musik, die im Angesicht großer Veränderungen und eines neuen Jahrtausends entstand, dazu inspirieren, zu entschleunigen und die hektische Welt einfach hektisch sein zu lassen. „1997“ erfindet den eigenen Sound neu.

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Miel De Montagne

Miel De Montagne – Ouin Ouin

Miel De Montagne ist der etwas unbekannte Meister der feinsinnigen Indie-Pop-Hymnen. Die Songs des 28jährigen Franzosen werden millionenfach gestreamt und vermitteln herrliche Leichtigkeit, von sympathischer Elektronik und unverschämt eingängigen Melodien begleitet. Hier darf Pop noch Pop sein, ohne unnötige Coolness auszustrahlen – obwohl genau das wunderbar gelingt. Auch auf dem neuesten Album „Ouin Ouin“ finden lässiges Augenzwinkern sowie ehrliche, aus dem tiefsten Inneren empfundene Emotionen auf herrlich sympathische, energische Weise zusammen.

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Perfume Genius

Perfume Genius – Glory

Ein Außenseiter, der His People gefunden hat. Ein Songwriter, der wie ein solcher klingen wollte. Mike Hadreas interpretiert Perfume Genius immer so, wie es gerade passt und Sinn macht, gerne mal unvorhergesehen und komplex, doch stets von greifbarer Schönheit durchzogen. Davon gibt es auf dem nunmehr siebten Studioalbum mehr denn je, und Zeit ist es geworden. „Glory“ setzt sich offensiv mit eigenen Ängsten und der Paranoia des Zeitgeists auseinander, fühlt sich aber zugleich in seinem gewachsenen musikalischen Umfeld, mit einer starken Band und wichtigen Partnerschaften, wohler denn je.

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Anna Hauss

Anna Hauss – Unknown Waters

Die Ungewissheit ist ein spannender, reizvoller Ort für Anna Hauss. Folk, Pop, Jazz und von Soul unterstützter Singer/Songwriter-Sound stattete bereits ihren starken Einstand „How Long Is Now“ aus, der sich mit Bedächtigkeit auseinandersetzte. In seiner Fortsetzung thematisiert die in Berlin geborene Musikerin den Rückzug ins Private sowie die Neugier auf Neues, von turbulenten Zeiten begleitet und beeinflusst. „Unknown Waters“ ist ein Konzeptalbum über das Unbekannte, das zugleich die musikalischen Möglichkeiten und das Songwriting Hauss‘ genauestens und konzentriert auslotet.

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Bartees Strange

Bartees Strange – Horror

Der durchaus offensive Umgang mit Ängsten gehört für Bartees Strange quasi zum guten Ton – bei einem erklärten Horrorfan keine große Überraschung. Und doch geht es nicht unbedingt um Gruseln und Jumpscares, sondern um eine Welt, die nicht immer durch erklärte Freundlichkeit glänzt. Als junger, queerer, schwarzer Mensch waren die ländlichen USA gewiss nicht der einfachste Ort. Letztlich waren Gruselfilme ein wertvolles Hilfsmittel zur Vorbereitung auf den Alltag. Und der ist anno 2025 selbst in den großen amerikanischen Städten alles andere als eitel Sonnenschein. „Horror“ bringt diese Herausforderungen auf den Punkt und genießt zudem die Freiheit, sich musikalisch einmal mehr vollends auszutoben.

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Rikas

Rikas – Soundtrack For A Movie That Has Not Been Written Yet

Ein Gefühl der Rastlosigkeit, aber auch der Gemeinschaft begleitete die Arbeiten am zweiten Album der Stuttgarter Alt-Pop-Feinschmecker Rikas. Das Debüt „Showtime“ hat fünf Jahre auf dem Buckel, zwischenzeitlich erschienen zwei EPs, zudem fühlte man sich zwischen verschiedenen Orten hin- und hergerissen. Entsprechend entstanden die Songs an verschiedenen Plätzen, unter anderem Los Angeles und Amsterdam, bevor letztlich in Berlin aufgenommen wurde. Und doch fällt „Soundtrack For A Movie That Has Not Been Written Yet“ charmant, sonnig und bewegend aus, getrieben und sanftmütig zugleich.

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