The Reds, Pinks And Purples – The Past Is A Garden I Never Fed

The Reds, Pinks And Purples
(c) Fire Records

Über 200 Songs schrieb Glenn Donaldson in den letzten sechs Jahren für sein Soloprojekt The Reds, Pinks And Purples. Nicht alle davon haben es auf seine Platten geschafft. Das soll sich mit dieser Sammlung ändern, denn das ‚jährliche‘ Album widmet sich diversen Tracks, die zuvor nie physisch erschienen waren. „The Past Is A Garden I Never Fed“ is eine Zeitreise durch die eigene Vergangenheit und bezieht aus dieser tatsächlich reiche, gewohnt abwechslungsreiche Ernte in gleich 14 Kapiteln. Wie so oft geht es um kleine Beobachtungen, magische Erlebnisse und die Sorgen des Alltags, die durch allerlei Indie-Gärten traumwandeln.

Der wundervoll ironische Opener „The World Doesn’t Need Another Band“ bemüht verwaschene Fuzz-Welten im Geiste von Hüsker Dü und Bob Mould, mit Donaldsons kraftvollen Vocals und frontalen, drückenden Klängen – eine kleine Überraschung, ein Powerhouse, eine Kampfansage. Ist „You’re Never Safe From Yourself“ ebenfalls als selbige zu verstehen? Der energische Drive und die sich wieder und wieder überschlagende, komplett entfremdete Gitarre harmonieren gar wundervoll miteinander. „What’s The Worst Thing You Heard“, heißt es an anderer Stelle. The Reds, Pinks And Purples verzichten auf eine Antwort und schütteln stattdessen schimmernde Klänge aus dem Ärmel.

Und davon gibt es auf dieser Platte richtig viel, wie im Fast-Songwriter-Stück „Your Cult Is On Fire“, dessen vorwitzige Gitarrenmelodie Unbeschwertheit sucht, wo es diese nicht (mehr) geben kann. Die Ansage „I Only Ever Wanted To See You Fail“ schrammelt sich ebenso genüsslich durch ehemals romantische Klänge, die das Scheitern des Selbst so sehr lieben wie auch „Slow Torture Of An Hourly Wage“, irgendwo zwischen Alltagsbeobachtung und aufgegebener Fassung der Harmonika eingebettet. „There Must Be A Pill For This“ taumelt in die Hallkammer und findet doch keine Antwort auf drückende Fragen. Und irgendwann bleibt doch das für The Reds, Pinks And Purples typische Fazit: „No One Absolves Us In The End“.

Es ist Donaldsons vielleicht buntestes Album geworden – Kunststück bei einer Quasi-Compilation, die in diesem physischen Format verdammt viel hermacht. Hier setzt es The Reds, Pinks And Purples in Reinkultur, in aller Vielfalt, durchaus herrlich unvorhersehbar, mal erstaunlich schroff und kantig, im richtigen Moment charmant und butterweich, doch immer voller Herz und Melodien. „The Past Is A Garden I Never Fed“ entlohnt die Reise in die Vergangenheit mit modernem Herz. Bereits vor dem Release dieser Zusammenstellung erschienen diverse weitere, komplett neue Bandcamp-Singles und Cover-Versionen, exklusiv und teils gratis. Glenn Donaldson bleibt produktiv, ob physisch und digital, und bereitet schon die Zukunft seines fantastischen Soloprojekts vor.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 04.07.2025
Erhältlich über: Fire Records (Cargo Records)

Bandcamp: theredspinksandpurples.bandcamp.com
Instagram: www.instagram.com/the_reds_pinks_and_purples