Cage The Elephant – Aberdeen

Cage The Elephant

Zwar galten Cage The Elephant nach ihrem selbstbetitelten Debütalbum 2008 als Geheimtipp in der Indie-Rock-Welt, doch mit dem aktuellen Erfolg ihres Zweitlings „Thank You, Happy Birthday“ – von Null auf Zwei in den US-Albumcharts – konnte man wohl nicht rechnen. Wenn man noch dazu bedenkt, dass drei der fünf Mitglieder bis zum Teenageralter aufgrund der religiösen Ansichten ihrer Eltern der Zugang zu Rockmusik komplett verwährt war, ist es schon mehr als bizarr, was mit den Herren aus Bowling Green, Kentucky binnen kürzester Zeit passiert. Hierzulande sind Cage The Elephant weiterhin nicht mehr als ein Geheimtipp, weswegen um den Release der mittlerweile dritten Auskopplung „Aberdeen“ auch kein großes Aufsehen gemacht wird.

Freilich: Klassischer Indie Rock ist das nicht, was Cage The Elephant hier zelebrieren. Gerade die Gitarren-Breiseiten zu Beginn bewegen sich in den Alternative-Sektor, auch Garage-Freunde dürften hieran ihre helle Freude haben. Gewöhnen muss man sich an Matthew Shultz‘ eigenwillige Phrasierung, die gerade in den Strophen für Neulinge herrlich bizarr wirkt. Traditionelle Rhythmik und gängige Betonung ist dem guten Mann wohl fremd, interessant ist seine Stimme aber allemal, wie sich im Refrain zeigt. Nicht nur, dass die Uptempo-Drums und die stark verzerrten Gitarren hier anständig zum Einsatz kommen, Shultz lässt seine Stimmbänder Schwerstarbeit verrichten, schreit sogar ein wenig. Wenige Momente später stürzen sich die US-Amerikaner in den Noise-Sumpf und ein Mini-Solo, das ein wenig an Nirvana erinnert.

Ein wenig „In Utero“ steckt in „Aberdeen“ auf herrlich kauzige Art und Weise. Cage The Elephant scheinen sich ein klein wenig im Chaos zu suhlen, ohne dabei auf griffige Melodien und fiese Gitarren zu verzichten. Den Refrain bekommt man jedenfalls nicht mehr so schnell aus den Ohren. Ein echter Hingucker ist auch das dazugehörige Knet-Video geworden, in dem eine Kreuzung aus Dinosaurier und Godzilla in der großen Stadt nach einem Freund sucht und sich dabei wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen verhält – ein sympathisch schräges, humorvolles, ja beinahe bewegendes Video. Der Clip fehlt zwar im Download-Bundle, dafür gibt es mit „Doctor Doctor Doctor Help Me Help Me Help Me“ eine brandneue B-Seite obendrauf. Ist ja auch schon was.

4/5 | DL-Single
VÖ: 11.11.2011
Relentless Records (EMI Music)

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