Delta Sleep – Twin Galaxies

Delta Sleep

In Brighton, an der Küste des Ärmelkanals, erheben sich mächtige Felslandschaften, steile Klippen und anspruchsvoller Math-Rock. Letzteres geht auf die Kappe von Delta Sleep, die mit dem einen oder anderen Klein-Release bereits von sich reden machen konnten und den latenten Pop-Appeal von Foals mit dem unkontrollierten Wahnsinn von At The Drive-In vermengen. „Twin Galaxies“ ist das Debütalbum des britischen Quintetts und ähnlich verworren wie die Tentakel auf dem Cover.

Mit chirurgischer Präzision und einem Ohr für starke Melodien pflügen sich die Briten durch knapp 40 Minuten Full-Length-Einstand. Erster grandioser Aufreger ist „Uncle Ivan“, dessen schroffer, bedeutungsschwangerer Auftakt nebst Bounce für Aufsehen sorgt. Auch die Screams würde man bedingt im Math-Rock-Feld ansiedeln, was aber wiederum zu den hörbaren At The Drive-In-Einflüssen passt. Je länger der Track dauert, desto melodischer, entspannter und ausgeglichener wird er, verliert dabei aber keinesfalls an Wucht, Vehemenz und Dringlichkeit. Selbst für jazzige Zwischenspiele bleibt Zeit.

Die Kunst dieses Einstands sind überwiegend lange, abwechslungsreiche Songs, die mit Ebbe und Flut experimentieren, die zart aufbranden, urplötzlich sämtliche Schleusen öffnen und sich schließlich doch wieder zurückziehen. Mit dem Spionage-Doppel „Spy Turtles“ und „Spy Dolphin“ decken Delta Sleep die gesamte Palette von Synthi-Pop bis zu Hardcore-Anleihen ab, zum herrlich hibbeligen, vergleichsweise radiofreundlichen „Lake Sprinkle Sprankle“ wurde überdies ein amüsantes Video gedreht, das die eingängige Weirdness dieses Tracks mit passend schrägem Humor bereichert.

Ein wenig Scams hier, ein Hauch Brontide da, eine Portion Mute Math obendrauf – „Twin Galaxies“ funktioniert auch in der Breite mit so mancher positiven Überraschung, cleveren Wendungen und unverschämt eingängigen Math-Melodien, die im scharfen Kontrast zu gelegentlichem Post-Hardcore-Geballer und Weltschmerz stehen. Delta Sleep haben zwischen den Stühlen zu kämpfen, debütieren aber ansehnlich mit einer potenten Gitarren-Wundertüte zwischen Polyrhythmik, Bauchgefühl und Rechenschieber.

Delta Sleep - Twin Galaxies

Twin Galaxies
VÖ: 26.06.2015
Big Scary Monsters (AL!VE)

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