Sløtface – Try Not To Freak Out

Sløtface

Hardcore- und Punk-Vergangenheit, wenige Jahre später Support-Act für die legendären a-ha und das mit immer noch Anfang 20: Trotz ihrer jungen Jahre haben die vier Norweger von Sløtface schon einiges erlebt. Aus Straight-Edge-Sounds sind längst griffige Pop-Hooks und dicke (Indie-)Rock-Riffs geworden, die Verwandten im Geiste heißen heute Paramore und Los Campesinos. Auf ihrem Debütalbum „Try Not To Freak Out“ tänzeln die Nordlichter zwischen Jugendkultur und Frauenrollen.

Letzteres Thema ist Sängerin Haley Shea besonders wichtig, schließlich fristet das weibliche Geschlecht in gewissen musikalischen Gefilden immer noch ein sträfliches Randgruppendasein. So ruft sie im grandiosen Pop-Punk-Opener „Magazine“ gleich die allmächtige Patti Smith an und zeigt sich mit Haaren auf den Zähnen, begleitet von eingängigen Melodien. Dass es im anschließenden, deutlich druckvolleren „Galaxies“ gleich mal um Erbrochenes geht, passt ins Bild. Dahinter präsentieren die Norweger allerdings ein deutlich differenziertes Bild, das in einem mächtigen Refrain samt Wave-Rock-Elementen mündet.

In ähnlich abwechslungsreicher, dauerspannender Gangart gestaltet sich auch die restliche Platte. „Nancy Drew“ wird zur geheimnisvollen Detective-Novel-Variation mit dicker Empowerment-Schlagseite, während sich das lässig-eingängige „Pools“ über sämtliche Schwimmbadregeln hinwegsetzt. Selbst der überlange, nachdenklich angehauchte Ausflug „Slumber“ funktioniert prima, während sich die herrlich direkte (Anti-)Ausgeh-Hymne „Pitted“ zum Hit des Albums aufschwingt.

Einziges wirkliches Manko: Die 32 Minuten sind viel zu schnell vorbei, die Repeat-Taste leiert mehr und mehr durch. „Try Not To Freak Out“ ist eine dieser Platten, die Dauerspaß bringt, zwischendurch auch richtig Power und Hirnschmalz mitbringt, und letztlich doch wieder zur mächtigen Hookline zurürckkehrt. Sløtface lösen das Versprechen ihrer bisherigen Kleinformate ein und liefern den passenden Soundtrack für einen heißen Konzertherbst.

Sløtface - Try Not To Freak Out

Try Not To Freak Out
VÖ: 15.09.2017
Propeller Recordings (Rough Trade)

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