City Calm Down – Echoes In Blue

(c) Mclean Stephenson

Während sich etablierte Acts wie Editors aktuell ein wenig gen musikalische Bedeutungslosigkeit zurückziehen, wirkt das Aufleben frischer, energischer Kräfte umso willkommener. Bestes Beispiel dafür sind City Calm Down aus dem australischen Melbourne. Das Quartett legt zwei Jahre nach seinem Debüt mit „Echoes In Blue“ stilvoll nach. Indie Pop/Rock trifft auf Wave-Klänge, trifft auf weite Keyboard-Flächen, trifft auf unverschämt eingängige Emotionalität. So etwas vermisste man zuletzt.

Zwei der besten Tracks warten gleich zu Beginn. Zunächst übt die Single „Joan, I’m Disappearing“ den Abflug nach gemächlichem Auftakt. Die beinahe sakrale Note der Strophe erinnert entfernt an frühere Arcade Fire, der Aufbruch nach muskulöseren Drums spannt den Bogen von 80s-Sounds bis zum aufwühlenden Hier und Jetzt. Um die verhalten erwartete Explosion machen City Calm Down aber noch einen Bogen. Die folgt dann in „In This Modern Land“ – deutlich poppiger, deutlich frontaler, deutlich energischer. Lässige Cure-Gitarren mutieren schnell zum permanenten Begleiter dieses Albums, der unwahrscheinlich dicke und doch einfühlsame Refrain flirrt förmlich vor Energie. Selbst für ein paar Blechbläser bleibt Platz.

Nicht ganz so mächtig, dafür aber durch sein sachtes Dauerfeuer beeindruckend, gestaltet sich „Kingdom“. Der vielleicht radiofreundlichste Song auf „Echoes In Blue“ lebt vor allem von seinem prägnanten Basslauf, der sich im Refrain mit beinahe euphorischem Gesang paart – schlicht und doch so unverschämt effektiv. Ein paar Türen weiter packt „Pride“ geschicktes Spiel mit Laut-Leise-Dynamik aus, explodiert kurzzeitig und zieht sich immer wieder in seinen Editors-Kokon zurück. Mit dem gekonnt übersteuerten „Decision Fatigue“ und dem semi-balladesken „Blame“ lauern weitere Granaten im Gebüsch.

Will man ganz genau sein, ist eigentlich so ziemlich jeder Track auf „Echoes In Blue“, selbst die Interludes, ein Gewinn. Mit ihrer bunten Vielfalt erinnert City Calm Down ein wenig an Lea Porcelain, düster, clubtauglich und doch eingängig. Hymnische Songperlen, emotionale Bandbreite und großartiger Gitarrenpop fügen dem omnipräsenten Wave-Revival ein weiteres packendes Kapitel hinzu. An dieser Platte müssen sich die Australier künftig messen lassen.

City Calm Down - Echoes In Blue

Echoes In Blue
VÖ: 06.04.2018
I OH YOU / PIAS (Rough Trade)

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