Matthew Logan Vasquez – Light’n Up

Matthew Logan Vasquez
(c) Sean Mathis

Als Matthew Logan Vasquez‘ Frau kurz nach Weihnachten 2017 mit dem gemeinsamen Sohn nach Norwegen ging, um bei ihrem an Alzheimer leidenden Vater zu sein, blieb der Delta Spirit- und Glorietta-Frontmann zunächst alleine in Texas zurück, um sein neues Album fertigzuschreiben. Und genau das hört man auch, denn die temporäre Trennung von seiner Familie nahm den Singer/Songwriter hörbar mit. Entsprechend ernst, selbst in den vergleichsweise euphorischen Momenten, zeigt sich die dritte Soloplatte „Light’n Up“.

Ein Song wie „I Love My Boy“ macht deutlich, wie sehr Vasquez dieses unfreiwillige Alleinsein mitnahm. In diesem rührseligen, reduzierten Track beschreibt er, wie er langsam aber sicher zugrunde geht. Einzig die Aussicht, seinen kleinen Sohn wiederzusehen, scheint ihn anzutreiben. Im anschließenden „Poor Kids“ erinnert er sich an seine Kindheit und Jugend, zieht Parallelen zur Gegenwart und beschreibt zugleich, warum Kinder aus vergleichsweise ärmlichen Verhältnissen deutlich schneller erwachsen werden (müssen).

Zumindest musikalisch ist derlei Schwermut nicht durchgehend zu spüren. Ein „Trailer Park“ könnte durchaus auch auf dem Solo-Debüt funktioniert haben. Der furiose, flotte Rocker mit dezent punkigen Untertönen hätte auch vor 20 bis 30 Jahren prima geklappt. In „Ball Pit“ zieht es Vasquez auf die Tanzfläche. Der monotone Drumbeat, begleitet von einem Post-Punk-Riff und leichten Disco-Anleihen, sorgt für beste Laune. Und doch sind auch in solchen Momenten gewisse innere Zweifel omnipräsent. Mit dem angenehm schwerfälligen Alternative-Rocker „Ghostwriters“, dem folkigen Opener „Ballad In My Bed“ und dem Anbruch eines neuen Lebensabschnitts in „Oslo“ zeigen sich schnell weitere Favoriten.

Vasquez fertigt auch sein drittes Solowerk verhältnismäßig schnell ab – nach nicht einmal 35 Minuten ist schon wieder Feierabend – zeigt dabei aber noch mehr Verve und Herzblut denn je. Diese Trennung auf Zeit scheint „Light’n Up“ beflügelt zu haben, auch wenn manche Songs emotional nur schwer zu packen sind. Und doch scheint Matthew Logan Vasquez gerade aus diesem unfreiwilligen Tänzeln am Abgrund schier unmenschliche Kraft bezogen zu haben. Sein bislang bestes Album spricht Bände.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 22.02.2019
Erhältlich über: Dine Alone Records (Membran)

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