Boy & Bear – Suck On Light

Boy & Bear
(c) Daniel Boud

Seit dem Release des Boy & Bear-Debütalbums „Moonfire“ hatte Sänger und Gitarrist Dave Hosking mit schweren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, welche die Bandarbeit mehrmals fast zum Erliegen brachten. Erst 2015 konnte eine aggressive bakterielle Erkrankung diagnostiziert werden, die erhoffte Besserung sollte weiterhin andauern. So schrieb die restliche Band neue Songs, für Hosking später Zufluchtsort und Ausweg. „Suck On Light“ befasst natürlich mit diesem einschneidenden Erlebnis, findet aber auch Hoffnung in der dunkelsten Stunde.

Diese separate Arbeitsweise – manche Songs lauerten über ein Jahr ohne Texte in der Hinterhand, die Lyrics komplettieren mehr oder minder fertige Werke erst nachträglich – fördert so manchen ungewöhnlichen Moment zutage. Der überaus lockere, legere Bop von „Bird Of Paradise“ bleibt beispielsweise sofort hängen. Mit seinem wuchtigen Basslauf, dem 70s-Groove und herrlich verschrobenen Melodien glaubt man Capital Cities mit Gitarren zu hören. Dass im folgenden „Telescope“ ein Hauch von Psychedelic Pop an die Oberfläche dringt, passt ins Bild. Wunderbare Harmonien vermitteln höchste Eingängigkeit.

Natürlich setzt es aber auch vertraute Töne zwischen Indie, Folk und Rock. „Hold Your Nerve“ hätte prima auf den letzten Platten funktioniert, flirtet ein wenig mit den Lumineers und beißt sich im Chorus sofort fest. Das gelingt auch dem lockeren Titelsong „Suck On Light“. Ein wunderbar aufgebrochenes Arrangement torpediert die emotionale Finsternis mit sonniger Hoffnung und leckeren Streichern aus der Dose. „Work On Art“ bemüht sich um Gefühl mit seinem großartigen Refrain, „Rocking Horse“ springt für Band-Verhältnisse direkt ins Gesicht und „Vesuvius“ dehnt seinen Fast-Ausbruch auf sechs Minuten mit sympathischen Doves-Querverweisen aus – alles für sich kleine Perlen.

Der Star ist jedoch das Album in seiner Gesamtheit, scheint es doch immer weiter und weiter anzuschwellen. Großartige Detailarbeit und aufwühlende Hymnen begleiten die vielleicht bis dato beste Platte der Australier. „Suck On Light“ vermittelt Tiefgang auf allen Ebenen. Boy & Bear entdecken neue Sounds, dehnen vertraute Klänge noch weiter aus und lassen ihrem Frontmann zudem freie Hand. Die Schönheit des Moments umarmt alles und lässt doch plötzlich frei – ein kleines Wunderwerk voller bewegender Widersprüche.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 27.09.2019
Erhältlich über: Nettwerk / ADA (Warner Music)

Boy & Bear @ Home | @ Facebook
„Suck On Light“ @ Amazon kaufen