Stefanie Schrank – Unter der Haut eine überhitzte Fabrik

Stefanie Schrank
(c) Ansgar Hiller

Es hat sich angedeutet. Und es ist gut, dass es so gekommen ist. Die bildende Künstlerin Stefanie Schrank, unter anderem als Bassistin von Locas In Love bekannt, hat eine Soloplatte aufgenommen. Beinahe drei Jahre arbeitete sie an geheimnisvollen, maschinell anmutenden Songs, die irgendwo zwischen Elektronik, Popmusik, Arthouse und Indie-Chic andocken. Der Titel fasst das Geschehen prima zusammen: „Unter der Haut eine überhitzte Fabrik“.

Tatsächlich läuft so mancher Song beinahe schleifenartig ins End- und Bodenlose, einer überbordenden Maschine gleich. „Möbiusschleife“ macht es vor und bringt zudem zentrale Aspekte dieses Albums auf den Punkt. Der konstante Aufbau auf minimalistischen Grundideen, die schemenhafte Eskalation in Zeitlupe, das gekonnte Geblubbere und die krautig-elektronischen Querverweise hätten auch einige Jahrzehnte früher funktioniert. Mit durchaus lakonisch eingestreuten Vocals gepaart, ergibt sich ein fatalistisches Stück Musik, auf den mit der semi-noisigen Dekonstrution „Ministrantin Stefanie“ ein Hauch frühe Crystal Castles folgt.

Ein bisschen Wahnsinn ist also dabei, eine Dosis Fatalismus, gepaart mit surrealistischen Abhandlungen, düsterer Bestandsaufnahme und diametralen Gefühlsregungen. „Nothing Is Lost“ hat beinahe etwas von einem eingängigen Popsong, wirkt weich und sympathisch, zugleich jedoch auf beinahe unwirkliche Weise verwaschen. Das gelingt auch dem stellenweise mit Air flirtenden „Spooky Action“ prima. Hier ist die unvertraute Melodie im Herzen der Reduktion tatsächlich Programm und führt unweigerlich ins feinsinnige „Sympathize“. Aber auch etwas schroffere Stücke, wie das mit wuchtigem Beat unterlegte „Stadt unter der Stadt“, das eigentümliche „Die Katze von Jesus“ oder die wütenden Synthies von „Flow“, machen auf schräge Weise Sinn.

Was hier gerade passiert ist, lässt sich nur schwer in angemessene Worte kleiden. Ist das Cloud-Pop für Arte? Post-Kraut-Elektronik für die Vernissage? Klingt spöttisch, doch tatsächlich fällt es schwer, sich dem Sound Stefanie Schranks zu nähern. Bleiben letztlich nur Gefühlsregungen, und die weisen „Unter der Haut eine überhitzte Fabrik“ als hochspannendes Kleinod aus. Nach und nach entfaltet die Platte ihre fraglos einzigartige Melodie, flirtet mit kurzweiligen Klangschichten und lenkt den Blick auf bildgewaltige, letztlich aber angenehm unaufdringliche Texte für Um-die-Ecke-Denker. Drei Jahre hat Schrank an diesen Songs gearbeitet. Das Herzblut ist in jeder Note greifbar.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 27.09.2019
Erhältlich über: Staatsakt (H’ART)

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