Matt Jencik & Midwife – Never Die

Matt Jencik & Midwife
(c) Alana Wool

Genug gedröhnt: Nach diversen instrumentalen Drone-Soloplatten wollte Matt Jencik (u. a. Implodes und Don Caballero) etwas ausprobieren und versuchte sich an einer gesangslastigen Platte. In Madeline Johnston aka Midwife fand er eine kongeniale Partnerin. Beide kennen sich seit 2015, sind seit 2018 befreundet und fanden gemeinsam einen minimalistischen Weg, von Gesang über Arrangierung bis hin zu Engineering. „Never Die“ beruht auf Jenciks Erkenntnis, dass ihn geliebte Menschen eines Tages verlassen müssen, egal wie sehr er sich an sie klammert, während Johnston mit ihrer spirituellen Betrachtungsweise das Leben feiert.

Eines der Herzstücke ist „Only Death Is Real“, nicht nur aufgrund des Titels. Das wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallende Arrangement unterstreicht fatalistische Vergänglichkeit, von einem einzigen Synth-Drone-Fragment untermalt. Johnston haucht ihre Vocals gar jenseitig und entführt langsam, aber sicher in Richtung Unterwelt. „Don’t Protest (Too Much)“ kann in diesem Kontext durchaus als kleine Aufforderung verstanden werden, wenngleich die verhältnismäßig mächtige musikalische Entladung, begleitet von konträren und sich doch so wundervoll ergänzenden Stimmen, in einen weiteren emotionalen Malstrom zieht, fest und doch bestimmt.

Der „Delete Key“ wird heftig gedrückt, spielt mit Gothic-Elementen und Ambient, entfremdeten Vocals und fatalistischen Schleifen, für die sich der Abgrund öffnet. Im Vergleich dazu gibt sich ausgerechnet „September Goths“ energisch und lebhaft, deutet so etwas wie einen Beat an, der letztlich doch im Nirgendwo versandet, während konträre Melodien ein schwer zu artikulierendes Stimmungsbild kreieren. In „The Last Night“ bleibt es bei Fragmenten, die versuchen, vergangene Geschehnisse erneut zu greifen. Die große, erhabene Eingängigkeit von „Rickety Ride“ überrascht dann doch, darf weiter und weiter wachsen, kleinere Noise-Einschübe inklusive, bevor sich das große Nichts ausbreitet.

Das jenseitige und doch lebensbejahende Klangerlebnis dieser gemeinsamen Platte hallt noch lange nach. In einer Dreiviertelstunde setzen sich Jencik und Johnston intensiv mit elementaren Fragen des Lebens auseinander, ringen um Fassung in der Fassungslosigkeit und suchen doch nach einem gangbaren Weg für das Hier und Jetzt. Was auf „Never Die“ passiert, fasziniert. Unorthodoxe und hochspannende Klanggebilde mit verträumten Untertönen und einem Hauch Gaze, mit ganz viel Ambient und Synthetik, aber auch mit obligatorischen Drone-Anteilen, treffen auf aufregende Stimmen, die ebenso mit Kontrasten arbeiten und das Ungewöhnliche mit feinsten Pinseln malen. Matt Jencik & Midwife sind musikalisch wie füreinander gemacht, gerne mit einer Fortsetzung.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 11.07.2025
Erhältlich über: Relapse Records (Membran)

Matt Jencik: mattjencik.bandcamp.com
Midwife: heavenmetal.bandcamp.com