The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die – Dreams Of Being Dust

The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die
(c) Lisa Johnson

Die Mission, dem epochalen „Illusory Walls“ einen gebührenden Nachfolger zu stiften, darf gut und gerne als gewaltige Herausforderung bezeichnet werden. The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die verzichten darauf, einfach ’nur‘ nachzulegen, und wagen stattdessen etwas. Einerseits ist das US-Sextett politischer denn je unterwegs, andererseits wurde der Härtegrad spürbar nach oben geschraubt, ohne jedoch alles über den sprichwörtlichen Haufen zu werfen. Somit ist „Dreams Of Being Dust“ Neustart, Weiterentwicklung und Zäsur in einem, und das auf verdammt starke Weise.

Erster großer Aufreger war „Beware The Centrist“ – nicht nur inhaltlich, sondern weil hier 104 Sekunden lang mit wachsender Begeisterung alles eingerissen wird. Der angestochene Hardcore-Punk-Sound mit wechselnden Vocals, Math-Unterbau und gelegentlichem Gesang zermürbt. Für „Se Sufre Pero Se Goza“, das den Spagat zwischen Gaze-Schwere und ruppigem Chaos intensiviert, konnte Brendan Murphy von Counterparts gewonnen werden, der dem Track noch mehr Wahnsinn mitgibt. Dylan Walkers Präsenz in „Reject All And Submit“ ist ebenso spannend, zumal man den noisigen Wahnsinn von Full Of Hell nicht hört. Und doch bleibt der Song durchgehend bedrohlich.

Nervöse Energie ist die Spezialität des Sextetts, das hier im besten Sinne eine Show abzieht. „No Pilgrim“ knüpft mit seinem Art-, Emo- und Alternative-Einsatz ein wenig an den Vorgänger an und lebt von jenem Heavyness-Drive, den man eher bei den Deftones ansiedeln würde. „December 4th, 2024“, ohne Frage der politischste Track dieser Platte, taucht noch tiefer in Alternative Metal, Post-Hardcore und Shoegaze ein, liebt die Entfremdung ebenso wie „Captagon“ mit Mike Sugars (u. a. Psycho-Frame, Vatican) die plötzliche, kathartische Hardcore-Punk-Explosivität schätzt. „For Those Who Will Outlive Us“ rundet mit seinen acht Minuten die Platte gekonnt ab und setzt auf anspruchsvolle Mini-Suite-Arrangierung.

Die komplett überdrehte Überforderung des Vorgängers fehlt, ebenso die XXL-Songs weit jenseits der Zehn-Minuten-Marke, die alles und jeden in die Knie zwangen. Stattdessen verausgaben sich The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die von der ersten bis zur letzten Minute und machen damit auch richtig viel richtig, bloß etwas anders. „Dreams Of Being Dust“ kommt nicht ganz an den grenzen- und hemmungslosen Wahnsinn des Vorgängers an, was auch wirklich nicht stört. Diese frontale und doch verschachtelte Präsentation hat auf jeden Fall ihren Reiz und lebt die im Grunde etatmäßigen Widersprüche des US-Sextetts mit wachsender Begeisterung aus, wieder ganz anders und komplett für sich einnehmend. Es ist ein Nackenschlag für Zeiten, die exakt das brauchen.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 22.08.2025
Erhältlich über: Epitaph Records (Indigo)

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