All Them Witches – House Of Mirrors

All Them Witches
(c) Travis Shinn

Eine Zeit des Zweifels liegt hinter All Them Witches, die mitunter die vergleichsweise lange Pause von gut fünfeinhalb Jahren seit dem letzten neuen Album erklärt. 2024 verließ Robby Staebler, Drummer und Gründungsmitglied, die Band. Christian Powers sprang für Live-Aktivitäten ein und wurde letztlich fix ins Line-up integriert. Bereits beim zweiten gemeinsamen Gig spürte man wieder so etwas wie Leben in der Band, so Gitarrist und Sänger Ben McLeod. Die Liebe zur Musik wurde erneut entfacht, „House Of Mirrors“ ist das packende Ergebnis und macht die beim Schreiben und Spielen gefundene Chemie hör- und greifbar.

Für den Opener „Red Rocking Chair“ griff man auf das gleichnamige Bluegrass-Traditional zurück und bemühte sich um einen frischen Anstrich. Es dauert eine ganze Weile, bis der Song in die Puschen kommt, dann aber dafür so richtig. Das massive, monolithische Blues-Bollwerk mit nahezu doomigem Riffing und die lässig eingestreuten Vocals passen perfekt zusammen. Nach und nach ergeben sich die für All Them Witches typischen Psych-Töne, bloß in mächtig Heavyness eingebunden. Zähe Schleifen und feinsinnige Variationen schnüren die Kehle zu und lassen verschwitzt mitwippen. Letzteres gelingt auch „Hold Up, Say What?“, bloß auf ganz andere Weise. Vergleichsweise direkter, gefälliger Hard Rock mit zwischenzeitlichen Entfremdungen macht Laune.

Das Quartett aus Nashville tobt sich in weiterer Folge überall und nirgendwo aus. Wie im ruhigen, melancholischen und intensiven „The Welterweight“, dessen Retro-Rock-Leitmotiv über dem Track kreist und in den schimmernden Gitarren im Schlussakt erst so richtig zur Geltung kommt. Auf ganz andere Weise stark ist „Starting Line“, ein weiterer Blues-Psych-Leckerbissen mit Riff-Action galore, der sich wiederholt selbst bremst und über ausgedehnten Verfremdungen meditiert. „Saturn Song“ serviert schließlich psychedelische Magie, wie sie wohl nur All Them Witches beherrschen. Singende Gitarrentöne, die lässige und urplötzlich anziehende Rhythmusabteilung, dazu die fieberhaften Schlussminuten – großes Kino.

So erdig klangen All Them Witches bislang nur selten, stehen mehr denn je mit beiden Beinen fest auf dem Boden und lassen ihren Psychedelic Rock hörbar reifen. Der Blues steht der US-Band besser denn je zu Gesicht, klassische Hard-Rock-Riffs und sogar kleinere Alternative- und Americana-Ideen runden eine von vorne bis hinten hochgradig unterhaltsame Platte ab. „House Of Mirrors“ braucht ein wenig Geduld, arbeitet mit frischem Wind, hebt sich doch nie komplett von vertrauten Klängen ab und macht zudem die wiedergefundene Liebe zur Musik greifbar. Willkommen zurück in jeder Hinsicht, All Them Witches.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 29.05.2026
Erhältlich über: BMG Rights Management (Universal Music)

Website: www.allthemwitches.org
Facebook: www.facebook.com/allthemwitches