Downtown Boys – Public Luxury

Downtown Boys
(c) Naomi Yang

Punk als Medium für Aktivismus und Veränderung – das ist zwar alles andere als neu, in den letzten Jahren aber immer seltener geworden. Downtown Boys hat man das offenkundig nicht gesagt. Das Quintett aus Providence, Rhode Island setzt sich lautstark für Gerechtigkeit in allen Formen ein, stellt sich an die Seite von Arbeitern und Unterpriviligierten und wettert lautstark gegen Unterdrückung. Ihr letztes Album hat allerdings mittlerweile neun Jahre auf dem Buckel. Zwischendurch gab es ein paar Songs und Kleinformate sowie einen Filmsoundtrack, begleitet von einer prominenten Live- und Protest-Präsenz. „Public Luxury“ sucht und findet Kraft und Schönheit im Banalen und Alltäglichen.

„No Me Jodas“ (dt. „Lass mich in Ruhe!“) eröffnet lautstark und chaotisch, lässt Victoria Marie ins weite, noisige Rund schreien, bevor der Track langsam Fahrt aufnimmt. Der Sound – eine Mischung aus Punk, Indie und Latin-Traditionen – geht vorwitzig nach vorne, das Tempo ist hoch und das Chaos vermischt sich prima mit einem kleineren Ohrwurm der unbequemen Art. Auch „The City Begins“ behält sich den vorwitzigen Charme, wirkt vergleichsweise linear und hält dennoch herzlich wenig von unnötiger Zugänglichkeit. Das Herz für Sleater-Kinney und Konsorten schlägt weiterhin hektisch, auch wenn die Gitarren gelegentlich fast freundlich anmuten.

Freilich ist das nur der Auftakt für eine wunderbar unorthodoxe Platte, die sich wiederholt häutet. Ein Drum-Computer und eine manische Synth dominieren „You’re A Ghost“, während Victoria Marie über brummelnde Bassläufe grantelt und Hardcore-Chic mit Cyberpunk und einem entfremdeten Shining-Saxofon verbindet. Das hektische „Public Works“ fühlt sich scheinbar endlos getrieben, bevor ein weiterer Synth-Einschub mit Post Punk und New Wave überrascht – nur um im nächsten Moment wieder alles mit wachsender Begeisterung zu zerlegen. Das vergleichsweise freundliche „Viva La Rosa“ zeigt seine Zähne erst mit Anlauf, hat Spaß am Midtempo und packt die beste Hook des gesamten Albums aus.

Komplette Überforderung ballert aus allen Rohren und hinterlässt durchweicht zurück. Von falscher Zurückhaltung halten Downtown Boys glücklicherweise weiterhin herzlich wenig und rütteln in so ziemlich jeder erdenklicher Form auf. Leidenschaftliche, beherzte Lyrics gehen mit ausgesuchter Präzision unter die Haut, machen Mut und spenden Kraft. Auch musikalisch erweist sich „Public Luxury“ als Energieleistung, weiterhin überaus punkig, von Hardcore- und Synth-Einschüben geplagt, stets mit offenem Visier operierend und selbst im absoluten, frontalen Chaos eingängig. Irgendwo zwischen 24/7 Diva Heaven und La Sécurité ziehen Downtown Boys abermals ihr eigenes Ding durch und überzeugen auf ganzer Linie.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 26.06.2026
Erhältlich über: Sub Pop Records (Cargo Records)

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