Schlagwort: Post Punk

Vundabar

Vundabar – Surgery And Pleasure

Ihre erste Dekade als Band rundeten Vundabar mit einem geschickten Kunstgriff ab: Beflügelt vom überraschenden viralen Erfolg ihres Songs „Alien Blues“ erschien mit „Good Old“ ein Album, das übrig gebliebene Songs sowie Neuaufnahmen wichtiger Tracks beinhaltete. Für das Trio aus Boston war dies zugleich das Ende eines großen Kapitels. Acht schicksalshafte Wochen im Leben von Sänger und Gitarrist Brandon Hagen gaben letztlich den entscheidenden Impuls für den nächsten Schritt. Erst beendete er eine langjährige Beziehung und verlor dadurch sein zweites Zuhause in London, dann verstarb sein Vater plötzlich und schließlich brach er sich seinen Arm in Frankreich. Kaum zurück auf heimischem Boden, wurde der Grundstein für „Surgery And Pleasure“ gelegt.

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The Murder Capital

The Murder Capital – Blindness

Es musste sich etwas ändern, das war The Murder Capital klar. Ihr erstes Album war ein wütender Aufgalopp, dessen Tour von einer globalen Pandemie beschnitten wurde. Für den Nachfolger schloss man sich neun Monate in einem Landhaus in Wexford ein, drehte nach eigenen Angaben letztlich durch, erspielte sich jedoch starke Festival-Slots und Support-Gigs, unter anderem für Pearl Jam und Nick Cave. Und doch wollte man von dem zuletzt überfrachteten Songwriting wegkommen, reduzierte die Musik auf das Unmittelbare und verzichtete auf komplexes, ausformuliertes Demoing. Zwölf Songs waren in zehn Tagen entstanden, die Aufnahmen in Los Angeles schafften einen sehr willkommenen Perspektivenwechsel, bei der Anreise war man noch fast zerbrochen gewesen. Und doch entpuppt sich „Blindness“ als Triumphzug von der ersten bis zur letzten Sekunde.

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Squid

Squid – Cowards

Es ist das Ergebnis harter Arbeit und zugleich ihr bislang bestes Album: Squid zeigen sich im Vorfeld ihrer dritten Platte euphorisch, und das ist kein Wunder, tragen sie das Material doch schon lange mit sich herum. Im Großen und Ganzen war der Stoff bereits aufgenommen und abgeschlossen, als „O Monolith“ im Sommer 2023 erschienen war. Auf Tour überlegte man sich neue Feinheiten, holte sich allerlei Gäste ins Studio, um neue Instrumente und Ideen zu verwirklichen, und fügte den kniffligen Fleckerlteppich schließlich zusammen. „Cowards“ zeigt eine eingespielte Band, die geradezu blindes musikalisches Verständnis für eine erneute imposante Evolution heranzieht.

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Goblyn

Goblyn – Stray

Zwei Hamburger zeichnen ein beklemmendes Bild von ihrer Umwelt: Knapp vier Jahre nach dem Release ihrer ersten Single wagen sich die zum Duo geschrumpften Goblyn an ein komplettes Album. Der drückende, alles einnehmende Post Punk lebt von emotionalen Extremen, kämpft mit Isolation und Kummer ebenso wie mit Druck und Größenwahn. Das äußert sich auch im unberechenbaren Sound, dessen kleine Wendungen und mächtige Druckwellen etatmäßig durch Mark und Bein fahren. „Stray“ wohnt in einer Stadt, die dem Untergang geweiht scheint, und versucht sich mit den Ellbogen aus der engen Umklammerung zu befreien.

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DITZ

DITZ – Never Exhale

Drastische Atemlosigkeit führt DITZ seit dem Ende der Lockdowns um den Globus. Sie spielen im Schnitt mindestens 100 Shows im Jahr, veröffentlichten eine umjubelte Platte sowie das eine oder andere Bühnendokument, und das obendrein weitestgehend in Eigenregie. Die Aufnahmen am Zweitling dauerten ein wenig – unter anderem ergab sich die Möglichkeit, mit Idles zu touren. Auf „Never Exhale“, dessen Songs teilweise bereits seit Jahren live gespielt werden, geht es um das Gemeinsame und um Spaltung, um umnötigen Hass und den eigenen Platz in der Welt.

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Kratzen

Kratzen – III

Kann sich ein Kreis als Dreieck schließen? Kratzen stellen diese Frage nicht und beantworten sie natürlich keinesfalls. Und doch runden sie ihren Sound mit ihrem nun dritten Album ab, wiewohl dieses gerne mal die nächste, finale Ecke besagter geometrischer Form beschreibt. Das liest sich abstrakt, passt wiederum zum Klang, der in seiner konkreten Präsentation schon mal ganz weit weg wirkt. Noch Fragen? Hoffentlich nicht, denn auch ohne pythagoräische Formenlehre zwirbeln sie ihr musikalisches Happening weiter, unaufgeregt und doch so bestimmt. „III“ denkt Kraut und Wave weiter, butterweich und subtil, doch stets voller Herz und Hirn.

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Lambrini Girls

Lambrini Girls – Who Let The Dogs Out

Massig Alkohol und Zeitdruck, das waren die nicht ganz so geheimen Zutaten für das erste Album von Lambrini Girls. Phoebe Lunny (Gesang, Gitarre) und Lilly Macieria (Bass) aus dem britischen Brighton konnten sich binnen kürzester Zeit einen herausragenden Ruf als Live-Band erspielen, begleitet von zwei nicht minder kurzweiligen EPs, die unterschiedliche noisige Punk-Spielarten mit sehr pointierten Kommentaren zur anti-romantischen sozialen Gegenwart verbanden. Gerade in ihrer Heimat entwickelte sich ein kleiner Hype um das Duo. Tatsächlich geht „Who Let The Dogs Out“ mit dem Druck ganz locker um und schüttelt ein Statement Piece aus dem Ärmel.

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Thank

Thank – I Have A Physical Body That Can Be Harmed

Wenige Bands schaffen es, den Wahnsinn des Alltags so exquisit auf Platte zu bannen wie Thank. Die Truppe aus Leeds erspielte sich mit ihrem ersten Album sowie diversen Kleinformaten ein kleines, aber sehr feines Publikum, das den zynischen, unbequemen und unberechenbaren Post Punk zu schätzen weiß. Bitterböse Auseinandersetzungen mit kleinen und großen persönlichen sowie gesellschaftlichen Themen, begleitet von einem nicht minder komplexen Sound, der gerne mit Noise Rock, aber auch mit beatesker Tanzbarkeit arbeitet – so funktioniert fokussierte Überforderung. Mit ihrer zweiten Platte „I Have A Physical Body That Can Be Harmed“ landen sie nun bei Big Scary Monsters.

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The Cure

The Cure – Songs Of A Lost World

Und dann passierte es doch, obwohl man nicht mehr so recht daran glauben mochte. 16 Jahre nach dem bestenfalls okayen „4:13 Dream“ legen The Cure doch noch ein neues Album hin. Ein langer, schwerfälliger Anlauf war vorangegangen, zwischendurch waren Unmegen Songs verworfen worden, ausgewählte Tracks hatte man bereits mehrere Jahre lang live gespielt. Trauer und Vergänglichkeit prägen das neue Material, unter anderem vom Tod von Robert Smiths Eltern und Bruder beeinflusst. Und doch klingt der 65jährige auf „Songs Of A Lost World“, als sei er in einen Jungbrunnen gefallen.

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Gurriers

Gurriers – Come And See

Schon wieder Post Punk, schon wieder Irland: Während Fontaines D.C. längst in gänzlich anderen Sphären schweben, leisten Gurriers Nachfolgearbeit. Das Quintett aus Dublin verfolgte offenkundig die Entwicklung des jüngsten britisch-irischen Post-Punk-Revivals vor wenigen Jahren genauestens und verschreibt sich gerne mal lauten, stets bestimmten Tönen. Während die vorige Generation inzwischen bevorzugt etwas braver und experimenteller unterwegs sind, langen Gurriers beherzt zu und sehen eine Rückkehr des Klassenkampfs inmitten einer Gesellschaft, die sich in einer Art post-apokalyptischem Zerfall befindet. Das erste Album „Come And See“ räumt herzhaft ab.

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