Arliss Nancy – Wild American Runners

Arliss Nancy

Arliss Nancy haben keine Zeit zu verlieren. Keine zwölf Monate nach der Veröffentlichung ihres zweiten Albums „Simple Machines“ steht bereits ein Nachfolger in den Startlöchern, wohl auch durch den steigenden Input von Bassist Kyle Oppold bedingt. Das Quintett aus Fort Collins, Colorado versteht sich auf klassischen, sehr amerikanischen Rock’n’Roll mit einer Prise Springsteen-Punk, wie man ihn unter anderem von The Gaslight Anthem kennt. Von der Popularität ihrer amerikanischen Landsleute mögen sie noch weit entfernt sein, „Wild American Runners“ ist jedoch ein mächtiger Schritt in die richtige Richtung.

Ein Song wie „Directions Never Hold“ verdeutlicht, wo sich Arliss Nancy wohlfühlen. Das entfernt an Rod Stewart erinnernde Reibeisenorgan Cory Calls klingt heiser, ohne dabei die Stimme zu verlieren, und legt die Freiheit des Highways auf einen Hauch von Vergänglichkeit, getragen von Americana-Piano und Gitarren. Mehr Springsteen als in „Nathaniel“ geht nicht – die US-Amerikaner zitieren den Boss, ohne sich einer einzigen Note der Ikone zu bedienen. Aus dem vorbeifahrenden Zug winkt Tom Petty, drückt wieder die Augen zu und träumt von einem anständigen Frisör.

Wenn es denn sein soll, gibt das Quintett Gas. Der Opener „Benjamin“ offenbart mit einer Spielzeit von gerade einmal zwei Minuten Punk-Spirit, nimmt sich für ein kleines aber feines Gitarrensolo in bester Bad Religion-Manier Zeit, weicht aber keineswegs vom gemäßigten Rock-Kurs ab. Als etwas traditionellere Antwort auf The Flatliners versteht sich das von wuchtigen Drums und einer weiteren Mini-Dosis Americana getragene „Bloodletter“, tief in den 70ern verankert und doch current as fudge. Der Blick schweift nie in die Ferne, man verliebt sich in den Klang des Südens („The GB Shuffle“) und lässt zwischendurch Cory Calls inneren Tom Waits das Wort ergreifen („Troubadour“).

„Wild American Runners“ ist ein traditionelles, ur-amerikanisches Album, das man so bestenfalls von den erwähnten Granden (Springsteen, Petty) erwarten würde. Arliss Nancy mögen zwar so etwas wie Punk-Spirit haben, vom ungeschliffenen Sound ihrer Anfangstage sind die Mannen aus Colorado jedoch mittlerweile meilenweit entfernt. Stattdessen setzt es guten, alten Rock’n’Roll mit dicken Gitarren, einer unverwechselbaren Stimme und ein wenig Schmerz, der dem traditoniellen Hoffnungsschimmer den Fehde-Handschuh reicht.

Arliss Nancy - Wild American Runners

Wild American Runners
VÖ: 04.10.2013
Gunner Records (Broken Silence)

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