Suralin – No Star

Suralin

Bloß keine Zeit verlieren: Schnell und zielgerichtet begaben sich die vier Chemnitzer Suralin nach Graz ins Studio, um unter der Regie von Wolfgang Möstl ihr drittes Album einzuspielen. In vier Tagen waren 13 Songs im Kasten, zehn davon haben es letztlich auf „No Star“ geschafft, das nun auf dem neugegründeten Chemnitzer Label Atomino Tonträger erscheint. Alles bleibt in der Szene, und doch ist von Tunnelblick nichts zu hören.

Die herrlich vertraute und doch eigentümliche Zugangsweise Suralins zu Gitarrenmusik zu beschreiben, ist nicht immer einfach. Von Radiohead ist die Rede, der Name Placebo fällt und auch klassische Indie-Bands schwingen irgendwo im Umkreis mit. Ja, sogar ein Hauch von Post-Punk-Fatalismus schleicht sich ein, wenn das düstere „Perpetual Auto Angst“ seinem Namen gerecht wird. In drei souveränen Minuten verstören Suralin pointiert, beschwören den Zusammenbruch und kleiden ihn in herrlich maschinellen Gitarrensound mit Herz und Verstand. Das mag sich auf dem Papier widersprechen, funktioniert hier aber blendend.

Ähnlich dicht, wohl aber deutlich luftiger, ja direkt gut gelaunt präsentiert sich „Friend Of The Night“ am anderen Extrem. Auch hier liegt die sprichwörtliche Würze in der Kürze, dank nicht abzusprechendem Pop-Appeal fährt der Refrain aber immer wieder rein. Für „No Star“ packen Suralin schließlich wieder die Gitarren aus und spielen mit druckvollem Selbstverständnis drauflos, tauchen im Breitwand-Sound von „Sirens And Dissonance“ unter, wagen den Abstecher zum Mini-Hit „Sounds On Wounds“, der entfernt an Blackmail erinnert, und schütteln in „Little Men“ für wenige Momente gar den Rumpf.

Bloß „50.498113, 12.830281“, der die geographischen Daten eines Orts im Erzgebirge beschreibende Instrumental-Track zum Abschluss, hätte nicht sein müssen. Harmoniebedürfnis hin oder her, aber das ist dann doch eine Spur zu weichgespült. Rundherum macht „No Star“ einen unterhaltsamen Eindruck, etwas kurz geraten, wohl aber abwechslungsreich und mit jenem Tiefgang ausgestattet, der immer und immer wieder zur Platte greifen lässt. Schönes, schwieriges, kauziges, eingängiges Ding.

Suralin - No Star

No Star
VÖ: 02.10.2015
Atomino Tonträger (Broken Silence)

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