Jayler – Voices Unheard

Jayler
(c) Andy Ford

Vier junge Menschen spielen klassischen Rock im Geiste der späten 60er und 70er Jahre und finden sich urplötzlich Schulter und Schulter mit alten Helden sowie einer gesunden Portion Hype wieder. Was wie Greta Van Fleet 2.0 klingt, hat seinen Ursprung in den englischen West Midlands. Video-Aufnahmen einer Open-Mic-Night-Performance in einem Pub brachten Sänger James Bartholomew und Gitarrist Tyler Arrowsmith 2021 zusammen, seither beste Freude. Ricky Hodgkiss und Ed Evans vervollständigten Jayler, schon bald trat man im Vorprogramm des viel zu früh verstorbenen Phil Campbell auf, eine erste EP fand regen Anklang. Mit dem Debütalbum „Voices Unheard“ geht es demnächst auf Bühnen mit Deep Purple, Sammy Hagar und Guns N‘ Roses.

Die erwartete bzw. befürchtete Led Zeppelin-Cover-Band sind die vier Briten freilich nicht, wenngleich sich gewisse musikalische Parallelen keineswegs von der Hand weisen lassen. Der beherzte, energische Opener „Down Below“ bringt ordentlich Drive mit, etwas Blues, und Bartholomews Charakterstimme, die unter anderem an einen jungen Robert Plant erinnert. Musikalisch stecken auch Free und Bad Company drinnen. Was aber noch viel wichtiger ist: Das Ding geht ins Ohr, in die Beine, macht Laune und hat zudem ein fantastisches Mundharmonika-Solo zu bieten. „Over The Mountain“ ist ähnlich energisch, fällt zugleich einen Tacken klassischer aus – zackiges Riff, erstaunlich nachdenkliche Einschübe und ein komplett abgedrehtes Gitarrensolo on top.

Es geht aber auch ganz anders. Wie „Bittersweet“, eine fragil-folkige Ballade über das Ende einer Beziehung, bewusst roh und unverfälscht aufgenommen. In jeder spärlichen Note steckt unheimlich viel Gefühl. „The Rinsk“ ist das obligatorische Epos und versucht sich zwischendurch an progressiven bis dezent psychedelischen Klängen, bevor das Finale abhebt. Das etwas zurückgelehnte „Alectrona“ wird mit jedem Durchlauf größer und mutiert zum unmenschlichen Kraftakt. „Riverboat Queen“ sollte ursprünglich eine Ballade werden, bis die Slide-Gitarre den Track in eine komplett andere, wesentlich druckvollere Richtung transportierte. Hingegen überrascht „The Getaway“ mit nahezu modernen 80s-Einflüssen und einer kleinen, aber feinen Pop-Kante.

Natürlich wirkt vieles hieran zumindest teilweise vertraut, selbstverständlich drängt sich der Greta-Vergleich gewissermaßen auf. Davor wollen sich Jayler auch keinesfalls verstecken, bloß ihr eigenes Ding durchziehen. Und das geschieht auf ihrem Einstand ohne Frage. Klassischer, verschwitzter Hard Rock, kraftvoller Blues, gefühlvoller Folk und verhaltene modernere Ausflüge kollidieren mit Riffs am laufenden Band und einer der besten neuen Stimmen seit einiger Zeit. „Voices Unheard“ könnte der Grundstein für eine ganz große Karriere sein. Jayler haben definitiv das Zeug dazu und spielen schon jetzt weit vorne mit. Ihr Einstand bereitet ordentlich Freude, von der ersten bis zur letzten Sekunde, und macht Lust auf mehr.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 29.05.2026
Erhältlich über: Silver Lining Music (Warner Music)

Website: jayler.co.uk
Facebook: www.facebook.com/jaylerband