Sparta – Cut A Silhouette

Jim Ward versucht weiterhin, seine Liebe für die Musik zurückzuerlangen. Das überraschende Sparta-Comeback 2020 war ein Schritt in die richtige Richtung, der eponyme Nachfolger machte viel richtig. Eine Dokumentation über den viel zu früh verstorbenen Comedian John Candy verschaffte ihm schließlich die entsprechende Motivation, genauer gesagt: eine Aussage von Macaulay Culkin (‚Kevin -Allein zu Haus‘, ‚My Girl‘). Er erwähnte, wie es Candy gelang, binnen kürzester Zeit einen Eindruck zu hinterlassen, in Erinnerung zu bleiben. „Cut A Silhouette“, wie es Culkin nannte, wurde zum Titel des neuesten Sparta-Streichs, auf dem neben Bassist Matt Miller auch erstmals der neue Drummer Neil Hennessy zu hören ist.
Gemeinsam mit Produzent J. Robbins (Jawbox) und Musikern wie Brooks Harlan entstanden zehn neue Tracks, die die Brücke zwischen dem Frühwerk und den jüngeren Comeback-Platten schlagen. Das herrlich hibbelige, gemeinsam mit Frank Iero (My Chemical Romance, L.S. Dunes) geschriebene „Crater“ passt da perfekt ins Bild. Viel Energie, angenehm frontaler Druck und sympathische Post-Hardcore-Reste drängen sich auf, machen Platz für nachdenkliche Momente und explodieren schließlich mit Nachdruck. Derart kraftvoll und explosiv wird es nur selten: „Without Your Hands“ vermischt entsprechende Elemente mit gängigerem Alternative Rock, gibt sich hymnisch, drückend und leicht melancholisch.
Typischere neuere Sparta-Tracks dominieren natürlich weiterhin. Wie „Mouthbreather“ mit seinen ellenlangen Schleifen, dass sich wieder und wieder fast gemächlich entlädt und nicht mehr aus dem Kopf geht. Ein paar aufwühlende Töne hier, dichte melodische Texturen da, dazu ganz viel hymnische Magie – eben ein echter Übersong. Das finale „Glimmer“ bricht den Sound hingegen auf ein absolutes Minimum herunter und schmiegt sich sorgsam an. Zwischen den Stühlen lauert das angriffslustige und ultra-eingängige „Split Lip“, das in 137 Sekunden abräumt. Schließlich wird „Everything You Say“ zur herzlichen Mördergrube, bevor Ward im Refrain explodiert und kurz wie die Post-Hardcore-Antwort auf U2 klingt.
Irgendwie überraschend, irgendwie wunderlich, irgendwie vertraut: Ein Sammelsurium von Gefühlen und Eindrücken macht sich breit. Letzteres hinterlässt Jim Ward tatsächlich, ohne dies auch nur eine Sekunde zu erzwingen. Stattdessen befindet sich „Cut A Silhouette“ im konstanten Fluss, lebhafter als die Vorgänger, wieder ein wenig lauter und doch bis obenhin voll mit liebevollen, lebhaften Details. Ja, es wird gelegentlich drückender und ruppiger als zuletzt, doch nie auch nur im Ansatz überzogen oder gar anstrengend. Die hymnischen, harmonischen Momente übernehmen wieder und wieder, begleitet von großen Melodien, alles umspannender Melancholie und ganz viel Herz. Sparta legen ihr bislang bestes Comeback-Album vor und nähern sich endlich wieder ihren Klassikern an, bloß mit frischem Wind.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 29.05.2026
Erhältlich über: Rude Records / Equal Vision Records
Website: www.sparta.band
Facebook: www.facebook.com/spartatheband
