Papir – V

Papir

Wenn die drei Herren hinter Papir die Bühne betreten, erwartet man – ja, was eigentlich? Das freundliche, unschuldig wirkende Auftreten täuscht ein wenig. Zwar lassen die Dänen keineswegs die sprichwörtliche Sau raus, ihr rein instrumentaler Psychedelic Rock mit Kraut- und Prog-Schlagseite klingt dennoch wie von einem anderen Stern. Mittlerweile bei Stickman Records gelandet, erscheint nun ihr fünftes Studioalbum mit dem schlichten Titel „V“.

Ein Doppelalbum ist es sogar geworden mit sieben ellenlangen Tracks (neun bis 25 Minuten Spielzeit) auf deutlich über eineinhalb Stunden. Und doch stellt sich kein Overkill ein, weil die Herren aus Kopenhagen ihr Handwerk bestens verstehen. Ein einzelnes Kapitel aus diesem musikalischen Konvolut herauszuheben, fällt schwer, ergibt „V“ doch vor allem in seiner überlangen Gesamtheit Sinn. Das sanft hin- und herwogende Gitarrenspiel verzaubert immer wieder aus Neue, trägt auf leicht verzerrten Schwingen wechselweise zu Can, Hawkwind und sogar King Crimson.

Obwohl man stetig auf eine Explosion wartet, halten sich Papir vornehm zurück. Freiräume werden zum federführenden Instrument, dezente Post-Rock-Anwandlungen lassen sich unter anderem im herrlich ausufernden fünften Kapitel beobachten. Gerade die mit Understatement und doch Nachdruck agierende Rhythmusabteilung begeistert. Schlichte Rhythmen, druckvoll und pointiert gespielt, heben das fantastische Gitarrenspiel in neue Sphären vor. Das abschließende, 25 Minuten lange Monster taucht sogar tief in verträumte Pink Floyd-Gefilde ab, ohne dabei in Ehrfurcht zu erstarren.

Tatsächlich unterhalten und bewegen Papir mit ihrem fünften Studioalbum, das sogar noch eine Spur länger hätte ausfallen dürfen. Mit Kopfhörern bewaffnet, schließt man am besten die Augen oder beobachtet vorbeiziehende Wolken. „V“ ist Traumfänger und -förderer zu gleichen Teilen, ein fragiles wie majestätisches und unheimlich kreatives Machwerk, ein klassischer Grower mit hohem Suchtfaktor. So und nicht anders hat moderner Kraut-Psych zu klingen – die Dänen setzen ihre Serie an spannenden Studioalben souverän fort.

Papir - V

V
VÖ: 18.08.2017
Stickman Records (Soulfood Music)

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