Cassels – The Perfect Ending

Cassels
(c) Nicolas Meurillon

Alles andere als angepasst zeigen sich Cassels. Die Brüder Jim und Loz Beck wuchsen auf dem Land auf, wollten möglichst schnell aus der Idylle ausbrechen und fanden letztlich doch zurück zu den Wurzeln. Musikalisch scheint zudem keine Schublade wirklich zu passen. Ist das jetzt Indie oder Alternative, Post Punk oder Noise? Jene Fragen, die bereits das Debütalbum „Epithet“ begleiteten, werden nun erneut aufgewärmt. „The Perfect Ending“ erweist sich als komplexer wie packender Nackenschlag in zwei durchaus martialischen Teilen.

Zumindest auf den ersten Blick wirkt das neue Material etwas direkter und sortierer, fast schon heavier. Von der heulenden Gitarre über den herrlich assoziativen Sprechgesang bis zum wütenden, explodierenden Refrain betrachtet der Opener „A Snowflake In Winter“ die tausendjährige Geschichte des Liberalismus und führt direkt in das verkappt hymnische „All The St. John’s Wort In The World“. Eingängigkeit ist für die Brüder eigentlich kein Thema, und doch bleiben die Stakkatoattacken samt kurzen hymnischen Untertönen hängen. Das finstere, überaus bissige „In The Zoo They Feed Him Nuts“ zerlegt die Täter-Opfer-Umkehr bei sexuellen Übergriffen in sämtliche Einzelteile und spielt geschickt mit Laut-Leise-Dynamik.

Für die zweite Hälfte ihres zweiten Albums knöpfen sich Cassels das Thema Umweltschutz vor. Ist die Auslöschung der Menschheit tatsächlich unaufhaltbar, vielleicht sogar eine gute Sache? Durchaus sarkastische Untertöne tauchen in Tracks wie „The Queue At The Chemists“ mit seinen metallischen Riffs oder dem Titelsong „The Perfect Ending“ auf. Fragile Flüstertöne, kluge Abhandlungen und unerwartete Uptempo-Passagen geben sich die Klinke in die Hand. „The Leaking Ark“ legt sogar verhalten eingängig und vorwitzig los, spielt mit cleveren Indie-Riffs und versinkt schließlich im abgefuckten Noise-Wahn.

Komplette und konzentrierte Abrieglung fernab jeglicher Erwartungshaltung bekommt Cassels abermals gut. „The Perfect Ending“ setzt eigentlich die musikalisch-chaotische Mission des Debüts fort, klingt zugleich jedoch eine Spur kompakter und frontaler. Bitterböse Texte mit Anspruch, die feine lyrische Klinge – ein spannendes Stilmittel, dessen wiederholte Kollision mit der furiosen, leicht abgedrehten Wucht druckvoller Arrangements zum Fest mutiert. Wer den assoziativen Einstand mit seinen lockeren Songstrukturen und cleveren Betrachtungen einer sich zerfleischenden Gesellschaft mochte, sollte „The Perfect Ending“ lieben.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 06.09.2019
Erhältlich über: Big Scary Monsters (AL!VE)

Cassels @ Home | @ Facebook
„The Perfect Ending“ @ Amazon kaufen