Nap – Ausgeklingt

Nap
(c) Schroeder Art

Manchmal kommen Platten auf den Tisch, mit denen kann man nicht rechnen. Will man auch nicht. „Villa“, das Debüt von Nap, war ein solches Teil. Durch den Re-Release via Noisolution erhielt die kleine Perle zwischen Stoner, Kraut, Prog und ein wenig Psych verdiente Aufmerksamkeit, wenig später folgte eine packende Split 12″ mit Black Lung. Nun also das schwere zweite Album, wie es gerne heißt. „Ausgeklingt“ lässt sich etwaige Hürden erst gar nicht anmerken.

Wie es geht, macht „VoiGo“ vor. Der mit gut sieben Minuten Spielzeit längste Track dieses Albums lässt sämtliche Fäden geschickt zusammenlaufen. Treibende Drums und scharfkantige, süffige Gitarrenriffs flirten mit der Stoner- und Desert-Szene, die Vocals wirken herrlich vom restlichen Song losgelöst und die instrumentale Arbeit in der zweiten Hälfte hebt weitestgehend von irdischen Sphären ab. Selbst für ein wenig Space Rock bleibt Platz – ein Konzept, das unter anderem im Titelsong „Ausgeklingt“ eine gelungene Fortsetzung erfährt. Die Suche nach dem Sinn des allmächtigen Riffs, von wütendem Gesang mit vereinzelten Schreien begleitet, packt fest zu.

Und so zeigt sich schnell, dass sich rein musikalisch wenig verändert hat. Dafür schrauben Nap Intensität und Präzision deutlich nach oben. Die wilden Schleifen von „Amygdala“ finden immer wieder zurück zum Leitmotiv, selbst wenn das mit Effekt beladene Gitarrensolo die 70er Jahre zerlegt. In „Weltraumvolker“ packt das Trio eine ordentliche Portion Heavyness obendrauf. Das Haupthaar schüttelt sich beinahe von alleine, die punkigen Ausritte harmonieren prima mit proggigem Gefühl. Der verspielte Jam des Rausschmeißers „Treibsand“ schielt hingegen kurz gen Weirdness und löst sich urplötzlich in Wohlgefallen auf.

Nap lassen die Muskeln spielen und wagen sich noch eine Spur weiter hinaus. Ihr zweites Album gibt sich insgesamt eine Spur kompakter und frontaler, rockt mit wachsender Begeisterung los und rückt die Power des Riffs stärker denn je in den Mittelpunkt. „Ausgeklingt“ hält aber weiterhin ausreichend Material für Freunde proggier Jams und krautiger Klangforschung bereit, kreuzt Sinn mit wohlfeilem Unsinn und kurzweiligem Songwriting. Die Reise durch Raum und Rock darf ein weiteres Mal als höchst gelungen bezeichnet werden.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 04.10.2019
Erhältlich über: Noisolution (Soulfood Music)

Nap @ Facebook
„Ausgeklingt“ @ Amazon kaufen