The Mary Onettes – Sworn

Die Rückkehr von alten Bekannten ist immer ein Grund zur Freude. Tatsächlich hat das letzte Album von The Mary Onettes inzwischen über elf Jahre auf dem Buckel. Obwohl in der Zwischenzeit immer wieder einmal hier und da ein paar Singles erschienen war, konzentrierte man sich zuletzt vor allem auf andere Lebensbereiche, vom Privaten bis zum Komponieren von Filmmusik. Und doch entstand mit der Zeit eine gewisse Leere, die nur das Schreiben verträumter Indie-Songs füllen konnte. Ihr Comeback „Sworn“ klingt – um das alte Klischee zu erfüllen – tatsächlich so, als hätte es diese Auszeit nie gegeben.
In aller Kürze mimt der Opener „WDWHL“ den Gruß zurück, macht in nur zweieinhalb Minuten klar, dass das schwedische Quartett in bestechender Form am Start ist und seine mächtigen Melodien wie nur wenige andere zu kultivieren vermag. Ein wahrer Wall of Sound mit obligatorischem Synth-Unterton sorgt für eine gewaltige Umarmung und vermittelt doch Aufbruchsstimmung – ein feiner Kunstgriff, der genau hinhören und aufblicken lässt. Wie gut, dass es „Eyes Open“ gibt! Zwischen Indie Pop, vorwitziger Elektronik und einem kraftvollen Gastbeitrag von Maja Milner (Makthaverskan) werden sogar Erinnerungen an The Naked And Famous wach. Das kommt unerwartet … und richtig gut.
Die Forderung „Stop The Melody“ verhallt am Ende des Albums hoffentlich ungehört, und doch brennt sich eben dieser Song binnen Sekunden ein. Dichte, warmherzige Texturen, willkommene Schwere und sich gezielt entladende Melodieteppiche erfassen sofort auf überdimensionalen Schwingen und ringen mit vermeintlicher Unterkühlung. Aufgetaut wird in Form von „Tears To An Ocean“, das jedoch eine ganze Weile braucht, um Schwung aufzunehmen. Lautes Stampfen und bunte Eingängigkeit nehmen das Heft fest in die Hand. Fast klassisch und traditionell klingt hingegen „Hurricane Heart“, treibend bis motorisiert, reich an Hooks und Melodien, gefühlt stetig wachsend.
Wie nach Hause kommen nach langer Zeit, nach großer Entbehrung: The Mary Onettes legen nach all den Jahren ohne Album einfach mal eine verdammt lässige Punktlandung hin und bemühen bestens vertraute Qualitäten mit frischem Wind. „Sworn“ hat wirklich alles, was man sich von den vier Herren aus dem schwedischen Jönköping erhoffen konnte, ist so poppig und verträumt wie eh und je, intensiviert das variantenreiche Spiel mit dem Synthesizer und geht auch gerne mal in die Vollen, wenn es der Song verlangt. In diesen gut 40 Minuten steckt alles, was man sich erhoffen konnte. Auf dass diese Leere nie wieder entstehen mag.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 14.11.2025
Erhältlich über: Welfare Sounds & Records (Bertus)
Facebook: www.facebook.com/themaryonettes
