Laura Misch – Lithic

Laura Misch
(c) Joya Berrow

Die Klangwelt ihrer Umwelt beschäftigt Laura Misch seit geraumer Zeit. Erst mit etwas Abstand entschied sich die Schwester von Tom Misch für die Musikkarriere, untermalt von ihren Wurzeln im Jazz und zugleich bewusst experimentell angelegt. Der 2023 erschienene Einstand „Sample Of Sky“ beschäftigte sich mit den Klängen der Natur, gekleidet in Electronica, Art-Pop und Ambient. Einen ähnlichen Weg beschreitet der Nachfolger, für den sich Misch eng mit den Sounds von Höhlen, Steinbrüchen, Gezeitentümpeln und steilen Küstenklippen beschäftigte, dort experimentierte und sammelte. „Lithic“ entspringt dem Gestein und befindet sich im permanenten Fluss.

Binnen Sekunden erzeugt Misch eigene, unerforschte Räume und ringt festem Fels erstaunliche Beweglichkeit ab. Der zarte Hall von „Echoes“ mit jazzigem Minimalismus, dezenter Elektronik und einem Hauch von TripHop-Beateske lässt sanfte Klänge von unsichtbaren Wänden zurückspringen und untermalt dies durch ein meditatives Saxofon. In „Jelousea“ sorgt Alfa Mist für Melancholie aus den Tasten eines verspielten, getragenen Pianos. Die Eifersucht der Meereswelt bahnt sich den Weg durch Granit und gibt sich leichtfüßig, als wäre es nichts. Kaum gezähmte Kraft fährt wie ein Messer durch die Butter.

Da passt ein Titel wie „Soften“ natürlich perfekt ins Bild. Ausgerechnet hier wird es zumindest ein klein wenig lautert, mit mehr Percussion und stimmungsvoller Jazz-Instrumentierung. Misch ringt ihrer magischen Stimme gar Unheimliches ab, während zarte elektronische Experimente um das Arrangement tänzeln – fast unbemerkt und doch so klar. In „Kairos“ lassen sie sich auf unwirkliches Schimmern reduzieren, flirren um den Track und erfahren mittendrin eine zarte TripHop-Explosion. Statt Dancefloor-Break finden Bläser zurück in den Mix. Letztlich mündet all das in „Spiral“, dessen Endlosigkeit steinerner Landschaft verzwickte Kreise zaubert und stimmliche Pluralität betont.

40 unwirkliche Minuten werfen existenzielle Fragen auf und beantworten sie mit einem Blick nach innen, der nur von außen kommen kann. Was sich – selbstverständlich – hochgradig widersprüchlich liest, kann in dieser Form nur von Laura Misch kommen. Ihre Betrachtungen der Natur und ihrer eigenen Umwelt erschließen verborgen vermutete Klanglandschaften und vertonen Elementares auf wunderschöne, anmutige Weise. „Lithic“ meißelt sich aus dem Stein heraus und verklärt die innere Mitte zum aufregenden Spielplatz für große Widersprüche und kleine magische Momente. Das ist erneut kunstvoll, jazzig, elektronisch, anderweltlich und fester denn je an irdische Sphären gebunden – ein Happening der aufwühlenden, intimen Art.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 05.06.2026
Erhältlich über: One Little Independent Records (Bertus)

Website: www.lauramisch.co.uk
Facebook: www.facebook.com/ellmisch