Autor: Walter Kraus

Ich bin, also denke ich.
Rokets

Rokets – Bad Choices

Einfach rocken, einfach rollen: Die Mission von Rokets ist so einfach wie genial. Auf ihren ersten beiden Alben konnte sich das Quintett aus Helsinki, gepeist aus Underground-Bands mit vorwiegend Hardcore- und Metal-Background, schnell einen Namen als Experten für fieberhafte, kurzweilige und handgemachte Klänge machen. Live wird so und so alles abgerissen. Nun ist man bei Svart zuhause und bereitet den Release von „Bad Choices“ vor. Schlechte Entscheidungen sind auf der dritten Platte der Finnen aber zu keiner Zeit zu hören.

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Mark Pritchard & Thom Yorke

Mark Pritchard & Thom Yorke – Tall Tales

Dass sich die Wege von Mark Pritchard und Thom Yorke erneut kreuzen würden, war unvermeidbar. Pritchards Radiohead-Remixes schafften die Basis, später lieferte Yorke einen starken Gastbeitrag auf „Under The Sun“, bevor man, quasi als Lockdown-Projekt, 2020 mit den Arbeiten an gemeinsamem Material begann. Wenig überraschend klingt das komplett anders. Pritchard setzte vor allem auf alte Synthesizer, Yorke bemühte möglichst viele verschiedene stimmliche Effekte – ein Rückgriff auf die legendäre „OK Computer“-Ära – und das inoffizielle dritte Mitglied Jonathan Zawada kümmerte sich um teils bizarre Visuals. „Tell Tales“ fragmentiert die Realität und sorgt für ein grandioses, kapitales Verwirrspiel.

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The Amazons

The Amazons – 21st Century Fiction

Matt Thomson wird 30 und wundert sich über die Art und Weise, wie sich sein Leben entwickelt hat. Der Frontmann von The Amazons hatte sich finanzielle Absicherung und ein eigenes Haus erträumt, was in schwierigen Zeiten für die Musikindustrie und die Weltwirtschaft eine Illusion blieb – obwohl er mit den ersten drei Alben seiner Band jeweils die Top 10 erreichte. Erstmals nahm man als Trio auf, nachdem Drummer, Gründungsmitglied und ‚großer Bruder‘ Joe Emmett Ende 2022 ausgestiegen war. Anstatt auf etwaige Vorhersehbarkeit zu pochen, entschieden sich die Briten für eine ehrliche und persönliche Platte mit deutlich mehr Rock. Tatsächlich hält „21st Century Fiction“ herzlich wenig von Erwartungen.

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Black Map

Black Map – Hex

Längst sind Black Map so viel mehr als ’nur‘ die Summe ihrer prominenten Einzelteile. Auf ihren drei bisherigen Alben entwickelte das US-Trio seinen intensiven, kraftvollen Rock-Sound mit Pop-Charme und Post-Hardcore-Intensität konzentriert weiter und schrieb gute Songs am laufenden Band. Dieses Mal wollten sie es ein wenig forscher angehen, ohne dabei die packende Atmosphäre der bisherigen Releases zu ignorieren. Insgesamt wurde „Hex“ deutlich direkter und unmittelbarer angelegt, soll mehr Rock und Heavyness beinhalten, ohne dabei auf vertraute Katharsis zu verzichten.

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Spacey Jane

Spacey Jane – If That Makes Sense

In ihrer australischen Heimat stiegen Spacey Jane binnen kürzester Zeit zu einer DER Bands der Stunde auf. Ihre ersten beiden Platten schafften es auf Platz 2 und Platz 1 und wurden mit Gold ausgezeichnet. Zudem zählt man zu den meistgespielten und -gestreamten Künstlern des Landes und verkauft Konzerttickets im lockeren fünfstelligen Bereich. Der sommerlich-luftige Indie-Sound leidet aber keinesfalls unter dem Druck, der sich nach den ersten Erfolgen im Normalfall aufbauen sollte. Ganz im Gegenteil: Auch „If That Makes Senses“ schwebt auf sympathische Weise über den Dingen, wenngleich eine gewisse Traurigkeit nicht von der Hand zu weisen ist.

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PUP

PUP – Who Will Look After The Dogs?

Auf ihr vielleicht abgedrehtestes Werk folgte eine Zeit der Veränderungen: Nach dem Release von „The Unraveling Of PUPTHEBAND“ schlugen drei der vier Musiker von PUP auf unterschiedliche Weise Wurzeln. Für Frontmann Stefan Babcock endete hingegen eine zehn Jahre andauernde Beziehung, die zu einer Phase der Isolation ohne echte Bezugsperson führte. Daraus entstanden gleich mal 30 Songs binnen zwölf Monaten, die im Studio gemeinsam ausgearbeitet wurden – schnell, unaufgeregt und gerne mal mit dem einen oder anderen Schönheitsfehler. „Who Will Look After The Dogs?“ schafft es tatsächlich, die spontane Energie der Anfangstage ein weiteres Mal einzufangen.

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Blondshell

Blondshell – If You Asked For A Picture

Was, wenn ich der Bösewicht bin? Mit dieser möglichen Erkenntnis sah sich Sabrina Teitelbaum bei den Arbeiten an ihrem zweiten Album als Blondshell konfrontiert. Während sich der Einstand vor zwei Jahren einer Schwarz-Weiß-Optik widmete und keine Nuancen wahrnehmen wollte, sieht die US-Amerikanerin die Dinge nun etwas differenzierter. Mit Kritik sparen die zwölf neuen Songs allerdings nicht, ob Selbst- oder anderweitig. Für „If You Asked For A Picture“ entwickelt Blondshell ihre Momentaufnahmen weiter und ließ sich zugleich von recht maskulinen Platten und Bands, wie „Rated R“ von Queens Of The Stone Age und „Californication“ von den Red Hot Chili Peppers, inspirieren, nur um diese in kompromisslose Weiblichkeit umzudenken.

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Suzzallo

Suzzallo – The Quiet Year

Rocky Votolato findet zurück zum Bandformat. Der Anlass dafür ist jedoch alles andere als schön: Im Dezember 2001 verstarb sein 22jähriger Sohn Kienan bei einem Autounfall, im Folgejahr erschien das zu diesem Zeitpunkt bereits fertig geschriebene, der Familie gewidmete Soloalbum „Wild Roots“, das in weiterer Folge eine neue Bedeutung annahm. Gemeinsam mit Steve Bonnell (Schoolyard Heroes) und Rudy Gajadhar von seiner ehemaligen Band Waxwing rief Votolato Suzzallo ins Leben, um extreme Trauer durch laute Gitarrenmusik in etwas Schönes, Heilendes umzuwandeln. „The Quiet Year“ vermittelt rohe, aufwühlende Katharsis.

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Car Seat Headrest

Car Seat Headrest – The Scholars

Willkommen auf der Parnassus-Universität! Für lineare Vorhersehbarkeit hatten Car Seat Headrest so und so noch nie viel über, auch nicht zu den Anfängen als Soloprojekt von Will Toledo. Ihr neues Werk, das erste seit fünf Jahren, befasst sich dennoch mit selbst für die Band anspruchsvoller XXL-Konzeptkunst. Unter anderem inspiriert von der überraschenden Verjüngung ihres Publikums, als es nach den ersten Lockdowns zurück auf die Bühne ging, findet sich „The Scholas“ auf dem Campus der eingangs erwähnten fiktien Lehranstalt wieder und präsentiert eine zweiteilige, von Rock-Opern und Konzeptalben, von Shakespeare und Mozart inspirierte Erzählung – erst von den Studierenen getragen, dann vom Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Aufbruch.

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Press Club

Press Club – To All The Ones That I Love

Australien und kantiger Punk, das passt einfach – Amyl And The Sniffers wissen das nur zu gut. Doch auch Press Club befinden sich auf dem aufsteigenden Ast. Das Quartett aus Melbourne um Sängerin Natalie Foster tourte fleißig durch die Heimat, aber auch Europa und Großbritannien, bemühte sich zudem mehr und mehr um einen breiter aufgestellten Sound. Exakt diese Mission wird nun mit ordentlich Nachdruck erfüllt: „To All The Ones That I Love“ hat keinesfalls vor, die wütenden Wurzeln zu ignorieren, und traut sich doch im besten und angenehmsten Sinne so viel mehr.

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