Schlagwort: Indie Rock

Current Joys

Current Joys – Voyager

Nick Rattigan geht auf große Reise. Der amerikanische Endzwanziger steuert aber nicht etwa fremde Länder an, sondern das Selbst. Eine Odyssee der Selbstfindung landet in den gewohnt brüchigen Konventionen des Rock’n’Roll. Als Current Joys bricht Rattigan so und so mit den Erwartungen, bringt klassischen Indie-Charme mit, der schon mal in Bedroom-Pop und Wave-Exkurse umschlagen kann, zudem ein wenig Singer/Songwriter-Elan mitbringt. „Voyager“ wendet sich bewusst vom bisherigen Lo-Fi-Ansatz ab und wirkt in seiner Gesamtheit größer, kompletter. Die erhoffte Kraft der Musik wird tatsächlich greifbar gemacht.

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Die Buben im Pelz

Die Buben im Pelz – Geisterbahn

Von der Neigungsgruppe zum Pelz: Die beiden FM4-Moderatoren David Pfister und Christian Fuchs suchten und fanden 2014 ein neues Vehikel für ihren Wiener Dialekt-Ansatz und coverten als Die Buben im Pelz das legendäre Velvet Underground-Debüt. Später folgte noch eine Platte mit eigenem Material, das Line-up wurde weiter ausgebaut und schließlich nahm man im Herbst 2019 eine neue Platte auf, unter anderem mit Alexander Hacke von Einstürzende Neubauten. Bestens bekannten Umständen ist die um ein Jahr verschobene Veröffentlichung des Drittlings „Geisterbahn“ geschuldet, die Wartezeit lohnt sich allerdings.

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Man On Man

Man On Man – Man On Man

Liebe ist alles, sangen einst Rosenstolz, und damit wäre dieser Text bereits mit dem ersten Satz an die Wand gefahren. Auch das ist Kunst. Man On Man sind hingegen einfach nur toll, denn das wunderbare Paar spricht sich für die Schönheit der Liebe aus, für Body Positivity und für die Kraft, die nur aus dem Gemeinsamen entstehen kann. Joey Holman (Holman) und Roddy Bottum (Faith No More, Imperial Teen) überlebten das vergangene Jahr gemeinsam, verloren ihre Mütter, verloren Jobs und saßen auf gepackten Umzugskartons. Als sympathisches Doppel verpassen sie archetypischer Queer- und Gay Music mit dem schlicht „Man On Man“ betitelten Album eine Frischzellenkur.

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Dinosaur Jr.

Dinosaur Jr. – Sweep It Into Space

Ein neues Album von Dinosaur Jr. ist immer ein Grund zum Feiern. Dieses Mal hat es – teils aus bekannten Gründen – etwas länger gedauert, „Give A Glimpse Of What Yer Not“ liegt beinahe fünf Jahre zurück. Kurt Vile schwirrte bei den Aufnahmen immer wieder umher, zudem trat Lou Barlow bei seinen Songs ein wenig selbstbewusster auf, was gerade der Produktion gut tat. All das, ein gewohnt fieberhafter Murph und Indie-Mastermind J Mascis an vorderster Front machen „Sweep It Into Space“ zu einem weiteren Leckerbissen. Also alles wie immer bei den Indie-Dinosauriern?

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Communions

Communions – Pure Fabrication

Multiple Häutung, das klingt ungesund, fasst jedoch Communions im Jahr 2021 zusammen. Vom Kern-Line-up blieben die Gebrüder Rehof (Sänger und Gitarrist Martin sowie Bassist Mads) über, wobei die mittlerweile ausgeschiedenen Mitglieder auf der neuen Platte zu hören sind. Nebenher entstand eine neue Aufstellung als Quintett. Zudem bewegt man sich auf dem zweiten Studioalbum „Pure Fabrication“ musikalisch und thematisch ebenfalls in eine andere Richtung. Während der zuletzt angerissene Indie-Rock-Sound mehr Tiefgang erhielt, arbeiten sich die Rehofs nun an Kulturkritik, Selbst-Reflektion und einer Art umgekehrten Coming-of-Age-Geschichte ab.

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Major Murphy

Major Murphy – Access

Der Weg gabelt sich und führt das Leben in unterschiedliche Richtungen. Welchen Pfad soll man ergreifen? Solch existenzielle Fragen vertonen Major Murphy aus Grand Rapids, Michigan. Das zweite Album des US-Quartetts verarbeitet eine Geschichte von frischgebackenen Eltern, sicherlich von ‚Bandpaar‘ Jacob Bullard und Jacki Warren inspiriert. „Access“ befasst sich mit Unsicherheiten, mit Sehnsüchen, mit der erzwungenen Trennung von den Liebsten auf Tour und im Studio. Begleitet wird diese introspektive Schwere von einem eng verwobenen Gitarrenteppich zwischen Alternative Rock, Indie und ein wenig Art-Pop.

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Citizen

Citizen – Life In Your Glass World

Eigentlich bereuen Citizen nichts, auch wenn sie sich nach eigenen Angaben in manchen Momenten machtlos fühlten. Das Trio aus Toledo, Ohio wollte komplett auf eigenen Beinen stehen und den gesamten Kreativprozess vom Songwriting bis zu den Aufnahmen autark gestalten. Also baute man sich ein eigenes Studio und verlegte den gesamten Entstehungsprozess in die Heimat. Begleitet von einer deutlich beateskeren Arbeitsweise, bei der jeder Song auf einem möglichst anderen Bass-und-Schlagzeug-Korsett basiert, klingt das vierte Album „Life In Your Glass World“ angenehm anders und doch irgendwie vertraut.

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Kali Masi

Kali Masi – [laughs]

Reserviertheit ist ein Konzept, das Kali Masi nicht kennen. Bereits auf ihrem Debütalbum ignorierte das Quartett aus Chicago jegliche Formen falscher Zurückhaltung und kleidete seine kurzweiligen Indie-Punk-Tracks mit allerlei Persönlichem aus. Davon gibt es nun noch mehr. Die Band um Sänger und Gitarrist Sam Porter zeigt, wie es sich anfühlt, fehl am Platz zu sein, befasst sich mit Entfremdung, emotionalem Missbrauch und der Suche nach Identität an sich. Und das in mächtige, mitreißende Hymnen mit der gebotenen Portion Schwermut gekleidet. Das liest sich nicht nur spannend, es klingt auch so: „[laughs]“ entpuppt sich als packendes zweites Album.

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New Pagans

New Pagans – The Seed, The Vessel, The Roots And All

Lyndsey McDougall kam über Umwege zur Musik. Eigentlich wollte sie bereits in den frühen 2000ern in einer Band spielen, doch die Belfaster Szene war damals ein reiner Jungsclub. McDougall startete daher erst spät durch. Mit 32 gründete sie New Pagans und zeigt seither, dass sich Mutterschaft und Berufsmusikerin unter einen Hut bringen lassen können. Das Quintett tritt für Frauenrechte ein, für Sichtbarkeit und Inklusion in der Musikwelt, begleitet von schrammelndem Rock der Indie- und Alternative-Ausprägung. Für das Debütalbum „The Seed, The Vessel, The Roots And All“ vereinen die Nordiren die sechs Songs ihrer ersten EP mit fünf brandneuen Tracks.

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Clap Your Hands Say Yeah

Clap Your Hands Say Yeah – New Fragility

Desperate times und so: Seit „Upon This Tidal Wave Of Young Blood“ auf dem selbstbetitelten Debütalbum aus dem Jahr 2005 hat Alec Ounsworth keinen politisch motivierten Song mehr geschrieben. Bis jetzt, denn die düstere Gegenwart – besonders in seiner amerikanischen Heimat – wirkte sich auch auf die neue Clap Your Hands Say Yeah-Platte aus. Längst ist der Mastermind zum Solo-Künstler geworden und münzt diese nun uneingeschränkte kreative Freiheit in grandiose Songs um. „New Fragility“ zeigt CYHSY abermals in bestechender Form.

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