Strand Of Oaks – HEAL

Strand Of Oaks

Irgendetwas fühlt sich anders an, wenn man „HEAL“ einlegt. Rohes Understatement war lange Zeit das Markenzeichen von Strand Of Oaks, bevor Mastermind Tim Showalter mit einer schweren persönlichen Krise zu kämpfen hatte. Mitten in einer zwei Jahre andauernden Tour, in einer Herbstnacht im schwedischen Malmö, realisierte er die Beweggründe für seine Flucht: eine unter dem Musikerleben leidende Ehe, ein alles andere als perfektes Album und generelle Unzufriedenheit mit sich selbst. Der Heilungsprozess, den dieses Album nun mit sich bringt, bezieht sich ebenso auf einen schweren Autounfall vergangene Weihnachten, den Showalter und seine Frau mit Glück überlebten. Nun also „HEAL“, dieses überraschend bedrohliche, überbrandende und doch in sich gekehrte Monster.

Das sich etwas bei Showalter getan haben muss, konnte man bereits der ersten Single „Goshen ’97“, gleichzeitig Album-Opener, entnehmen. Die laute, singende, leicht kratzige Gitarre kann nur von J Mascis stammen – ein sympathischer Gastbeitrag des Dinosaur Jr.- und Sweet Apple-Frontmanns. Aus dem anfänglichen Aufbäumen entwickelt sich binnen kürzester Zeit ein stampfender Rocker mit bedeutungsschwangerer, bleierner Gitarre und dezentem Pop-Appeal. Gitarren treten im Verlauf des Albums immer wieder auf, wenn auch selten so prominent. Das kakophonische Noise-Monster „Mirage Year“ mit seinem im Chaos versinkenden, dezent an die „Origin Of Symmetry“-Muse erinnernden Finale beispielsweise könnte breitbeiniger und aggressiver kaum ausfallen.

Neben dieser Bärbeißigkeit stecken elektronisch befeuerte Indie-Pop-Leckerbissen wie „Same Emotions“ mit einer feinen Prise Funk und dezent aufbrandenden Foals-Gitarren die musikalische Bandbreite betont weit. „JM“, Herzstück des Albums, übt sich mehr als sieben Minuten lang an dezent bluesigem Rock-Wellenspiel mit überbrandender Grandezza, singenden Soli und ungeahntem, geradezu sinnesvernebelndem Druck. Neben diesem Monster wirken das entfernt an frühere Killers erinnernde „Shut In“ oder das sich selbst überholende, New-Wave-getünchte Finale „Wait For Love“ wie harmlose Belanglosigkeiten, auch wenn das sicherlich nicht den Tatsachen entspricht.

Im Gegenteil: Wenn „HEAL“ eines ist, dann ein lautes Statement, ein lebensbejahender Heilungsprozess, der durch verschiedenste Stadien und Gefühlszustände geht, sich selbst gelegentlich im Weg steht, nur um sich letztlich selbst zu befreien, aufzuatmen, sich aufzurappeln und weiterzumachen. Der Knackpunkt in Tim Showalters Leben bedeutet für Strand Of Oaks neue Wege, ungeahnte Pfade und eine unverschämt eingängige Mischung aus cineastischem Über-Pop und breitbeiniger Gitarrenmusik. Davon darf es gerne mehr sein.

Strand Of Oaks - HEAL

HEAL
VÖ: 20.06.2014
Dead Oceans (Cargo Records)

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