Autor: Walter Kraus

Ich bin, also denke ich.

Little Gang – Half Of Everything

Die Idee eines Künstlerkollektivs ist aktuell präsenter denn eh und je, gerade durch den Erfolg von Caligola. Dass es aber auch ohne Masken und Umhänge geht, beweist der gebürtige US-Amerikaner Jacob Snavely (Dag För Dag), der nach zahlreichen Umzügen innerhalb seiner Heimat und einem eineinhalbjährigen Aufenthalt in London, während dem er Two Gallants als Tour-Manager zur Seite stand, letztlich in Stockholm ankam mit einer ganz speziellen Idee für das Schreiben von Musik. So sollen Worte und Stimmen das akustische Bild ergeben, was in gemeinsamen Sessions mit Rebekka Karijord und Musikern von den Shout Out Louds und Ane Brun erarbeitet wurde. Entsprechend ist „Half Of Everything“, das Debütalbum der Little Gang, eine Platte, die den Prozess des Songwritings in den Vordergrund stellt und sich dabei keinerlei Grenzen setzt.

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Chima – Morgen

Mit seinen 39 Jahren ist der Deutsch-Nigerianer Chima bereits ein Veteran im Musikgeschäft. Seine ersten Gehversuche wagte er Mitte der 90er Jahre, gemeinsam mit den Geschwistern Aisha und Ismael Abdallah, als Teil der Rapgruppe Otropic T(h)ree, was sich jedoch als kommerzielle Bauchlandung erwies. Einer breiten Öffentlichkeit wurde Chima als Teil der Brothers Keepers bekannt, die 2000 mit „Adriano“ die Top 4 erreichten. Sämtliche Soloversuche in den nächsten Jahren, darunter die hervorragende Single „Wundervoll“, ein Soul-Electro-Pop-Hybrid, und das dazugehörige Album „Im Rahmen der Möglichkeiten“, floppten. Nach sechs Jahre Release-Auszeit geht es nun mit einem neuen Major-Vertrag und der Single „Morgen“ in eine neue, wohl deutlich erfolgreichere Runde.

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Crocodiles – Endless Flowers

Das ultimative Sommeralbum wurde gefunden. „Endless Flowers“ heißt es, kommt von den Crocodiles und kombiniert bezaubernd schöne Melodien mit Lo-Fi-Pop und einem Hauch Schwärze. Ende der Diskussion? Mitnichten, schließlich muss zelebriert werden, dass nach den ersten beiden, nur über Import erhältlichen Platten endlich ein Werk der Band aus San Diego, Kalifornien auf offiziellem Weg nach Deutschland kommt. Brandon Welchez und Charles Rowell, ehemals bei den Chaoten Some Girls und The Plot To Blow Up The Eiffel Tower zugange, haben ihr Line-Up mittlerweile zu einem Quintett ausgebaut und einen nackten, androgynen Mann aufs Cover gepackt, der einen Strauss Rosen trägt und obendrein Jesus heißt. Noch Fragen?

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The Asteroids Galaxy Tour – Major

Es ist wie verhext: Da räumen The Asteroids Galaxy Tour europaweit ab (die Single „The Golden Age“ platzierte sich auf der #4 in Österreich, der #7 in der Schweiz und der #19 in Spanien) und schaffen es sogar dank massivem Werbe-Einsatz nach Nordamerika, doch in Deutschland kriegt man davon nichts mit. Schade, denn „Fruit“, das schräge Debütalbum der Dänen, entpuppte sich ob seiner eigenwilligen Mischung – irgendwo zwischen Pop, Indie, Funk, Soul, Reggae, Dancehall, Acid und Electro – als Wundertüte und Grower. Selbst der noch stärkere Nachfolger „Out Of Frequency“ ging unter, obwohl sich die Dänen musikalisch nichts vorzuwerfen haben. Auf das verschmähte „Heart Attack“ folgt nun mit „Major“ eine mächtige zweite Single.

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Oliver Koletzki feat. Bosse – Karambolage

Ein Album lang funktionierte die Idee: Auf „Großstadtmärchen“ kombinierte Oliver Koletzki („Der Mückenschwarm“) elektronische Musik mit Pop, ließ prominente Gäste wie Mieze Katz von MIA. und Axel Bosse aufmarschieren. Für die Fortsetzung gab es sogar einen Major-Deal, allerdings keinerlei Weiterentwicklung – die Höhepunkte kann man an einer Hand abzählen. Erneut vertreten ist Bosse, der das nun als zweite Single veröffentlichte „Karambolage“ mitgeschrieben und eingesungen hat – ein Silberstreif am ausgeleierten Horizont.

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Kontrust – The Butterfly Defect

Von wegen antiquiert: Kontrust beweisen seit geraumer Zeit, dass man mit Crossover immer noch ordentlich punkten kann. Ihr letztes Album „Time To Tango“ bescherte den Österreichern mit polnischer Sängerin einen Amadeus Music Awards, einen bereits jetzt legendären Auftritt am polnischen Woodstock-Festival und stattliche Klickzahlen für die dazugehörigen Videos. Allein die visuelle Volksmusik-Persiflage „Bomba“ wurde bereits weit über zwei Millionen Mal angesurft. Auch die neue Platte „Second Hand Wonderland“ setzt den Siegeszug fort. Mit „The Butterfly Defect“ hat man sogar einen potentiellen Sommerhit, zumindest aber einen weiteren mächtigen Festival-Abräumer im Gepäck.

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M83 – Reunion

Als Synth-Pop-Großmeister hat sich Anthony Gonzalez ein wenig verhoben. Das Doppelalbum „Hurry Up, We’re Dreaming“ hat zwar viele gute Momente – die erste Single „Midnight City“ ist einer davon – ist aber insgesamt eine Spur zu lang geworden, wurde mit ein wenig Füllmaterial gestreckt. Wie gut, dass sich der Franzose für die Auskopplungen auf die echten Highlights konzentriert. Mit „Reunion“ erscheint nun ein echter M83-Sommerhit, der immerhin mit einem ausladenden Download-Paket, mit einem Who-is-Who der Remix-Mafia ausgestattet wird.

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The Enemy – Streets In The Sky

In ihrer britischen Heimat längst etabliert, sind The Enemy aus dem britischen Coventry hierzulande immer noch nicht über einen gewissen Insider-Status hinaus gekommen. Nach dem Platindebüt „We’ll Live And Die In These Towns“ und dem etwas schwächeren Gold-Nachfolger „Music For The People“, die beide die deutschen Charts verpasst haben, war für Tom Clarke und Konsorten ein Tapetenwechsel angesagt. Der Majordeal wurde abgehakt, dafür hat man bei Cooking Vinyl nun sämtliche kreativen Freiheiten, die man „Streets In The Sky“ auch anhört. Auf ihrem dritten Album innerhalb von fünf Jahren geben sich The Enemy deutlich gitarrenlastiger und direkter.

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Paper – Mischmasch

Mit Bandnamen ist es ja so eine Sache. Einprägsam sollten sie sein, gerne kurz und schlagkräftig, möglichst unverwechselbar. Was sich Paper bei ihrer Gründung wohl gedacht haben? Das schwedische Trio um Calle Olsson (The Bear Quartet, Paddington DC) hat sein Debütalbum „An Object“ längst hinter sich gelassen und präsentiert auf dem direkten Nachfolger nun mehr von allem; mehr Garage Rock, mehr Punk, mehr Krautrock, mehr Elektronik. Eben ein echter „Mischmasch“, gleichermaßen komplex wie hitverdächtig, irgendwo zwischen den Hives und Joy Division.

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Coogans Bluff – Poncho Express

Als Frontmann Thilo Streubel vergangenen Sommer eine Baby-Pause einlegte, wurde Coogans Bluff die Möglichkeit zuteil, beim Duna Jam Festival auftreten. Die Songs wurden gemeinsam mit Stefan Meinking (Trombone) und Max Thum (Saxophon) umarrangiert, um den fehlenden Gesang zu kaschieren. Gleichzeitig entstand aber neues Material, nicht rein instrumental und doch ein wenig anders. Neun Jahre nach Bandgründung sind die Herren aus Rostock, Leipzig und Berlin in einer Art Heavy Funk-Makrokosmos gelandet, den nunmehr Bassist Clemens Marasus mit gelegentlichen Vocals befeuert. Entsprechend spannend und interessant neu klingt auch das neue Album „Poncho Express“.

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