Schlagwort: Post Punk

Protomartyr

Protomartyr – Formal Growth In The Desert

Der Versuch, Positives aus dem Rückschlag zu ziehen, klingt fürs Erste nicht unbedingt nach einem typischen Protomartyr-Rezept. Vieles im Leben von Frontmann Joe Casey änderte sich zuletzt. Seine Mutter, die eineinhalb Jahrzehnte an Alzheimer litt, verstarb, zudem verließ er nach einer Serie von Einbrüchen das Familienzuhause, in dem er sein ganzes Leben gelebt hatte. Und doch versuchte Casey, mit der Weisheit des Alters ausgestattet, ausnahmsweise die (etwas) schöneren Dinge des Lebens zu betonen, bloß nicht traurig und depressiv sein. All diese Erlebnisse und Emotionen treffen auf den gewohnt noisigen Post-Rock-Sound seiner Band und führen zu „Formal Growth In The Desert“, einer nunmehr etatmäßig vielschichtigen Platte.

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Anger MGMT.

Anger MGMT. – Anger Is Energy

Düsternis kann Halt geben, so oder so ähnlich lässt sich das erste Album von Anger MGMT. beschreiben. Das Schweizer Trio, das vornehmlich irgendwo zwischen Post Punk, Garage, Grunge und Alternative zuhause ist, legt nicht nur musikalisch eindrucksvolle Energie an den Tag, auch textlich hat man einiges zu sagen. Sänger Nik Petronijevic ist ein Mental-Health-Aktivist, hat seit seiner Kindheit mit Depressionen und einer ausgeprägten Angsterkrankung zu kämpfen, und geht in den Lyrics offen mit diesen Themen um, begleitet von gesellschaftlichen und politischen Motive. Der darin ruhende Schmerz und die damit verbundene Wut können jedoch zum Katalysator werden: „Anger Is Energy“.

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Iguana Death Cult

Iguana Death Cult – Echo Palace

Bandtreffen wurden für Iguana Death Cult während der Pandemie zum therapeutischen Refugium. In der Wohnung von Frontmann Jeroen Reek diskutierte man über die Unwirklichkeit der Zeit, begleitet von absurder Paranoia und Verschwörungstheorien, die wie ein Lauffeuer um sich griffen. Das dritte Album der Niederländer darf gut und gerne als Bestandaufnahme verstanden werden, als Suche nach Vernunft in einer alles andere als vernünftigen Zeit. Ursache und Wirkung von Gruppendenken begleiten den neuen Longplayer „Echo Palace“.

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Petite Noir

Petite Noir – MotherFather

Der Meister des Noirwave ist zurück. So nennt zumindest Petite Noir seinen Sound, bereits seit Release der ersten Single vor elf Jahren. Nach etwas längerer Funkpause widmet sich der in Belgien geborene, in Südafrika aufgewachsene und heute in London und Paris residierende Kongolese wieder der Musik. Das neue Album entstand unter einem düsteren Stern – teils unter dem Eindruck seines aus dem Amt des Premierministers gedrängten Vaters, teils basierend auf Erinnerungen an erlebten Rassismus während seinen jungen Jahren in Johannesburg. „MotherFather“ durchbricht einmal mehr musikalische Grenzen mit Wonne.

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Schalko

Schalko – Bitte 3x Pommes

Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug, ab dafür: Für Schalko steht das Wesentliche im Mittelpunkt. Das Trio aus Freiburg lieferte bereits auf seinem Erstling ab und entwickelt den Punk-Sound nun weiter. Mehr Düsternis soll es sein, das Post-Präfix rückt in den Mittelpunkt und dominiert das Geschehen zusehend, ohne dabei alles umzuwerfen. „Bitte 3x Pommes“ trägt einen großartigen Titel, hinter dem unheimlich viel Qualität steckt und die Vorzeichen auf Durchbruch stellen. Und dafür wäre es jetzt absolut an der (hochverdienten) Zeit.

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Monument

Monument – Abyss

Gäbe es Monument nicht, man müsste sie erfinden. Der Sound der fünf Schweizer entzieht sich jeglichen Versuchen, sie in eine Schublade zu pressen, und bemüht sich um freie, bestenfalls schemenhafte Muster. Noise Rock, Post Punk, Math, Prog, Jazz und Shoegaze sind nur einige der Zutaten, die bereits Ende 2017 auf einer ersten EP unterhielten. Mit etwas Verzögerung legt das Quintett nun ein komplettes Album nach. „Abyss“ entdeckt die Macht der Wiederholung und der Schleife für sich, bezieht seine Kraft aus Experimenten und wechselhaften Rhythmen, ohne dabei das Songformat an sich zu ignorieren.

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Karies

Karies – Tagträume an der Schaummaschine I

Nach fast viereinhalb Jahren kehren Karies unter etwas anderen Vorzeichen zurück. Die Welt hat sich verändert, und das gilt auch für ihren Sound. Auf ihren bisherigen Platten regierter kühler, frontaler, betont schroffer und gerne mal industriell angehauchter Post Punk. Davon verabschiedet man sich nicht komplett, beleuchtet nun aber eine andere, etwas experimentellere und verträumtere Seite des Genres. „Tagträume an der Schaummaschine I“ ist der Auftakt zu einem Veröffentlichungszyklus, über dessen Umfang noch herzlich wenig bekannt ist. Der erste Teil weiß zu unterhalten … und zu faszinieren.

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shame

shame – Food For Worms

Immer noch versuchen shame sich selbst und die sie umgebende Welt zu verstehen. Das erste Album „Songs Of Praise“ katapultierte sie im jugendlichen Ungestüm auf schier endlose Konzertreisen, während „Drunk Tank Pink“ begann, die Unwirklichkeit des Erwachsenwerdens zu verstehen. Inzwischen soll die gewünschte und erkämpfte Reife eingekehrt sein, also richtet sich der Blick nach außen. „Food For Worms“ ist eine Ode an die Freundschaft, an die besondere Dynamik innerhalb der Band, an das Ringen um Erkenntnis in einer Atmosphäre der suchenden Verständnislosigkeit.

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Teksti-TV 666

Teksti-TV 666 – Vapauden tasavalta

Großkampftag für Gitarrenfreude: Teksti-TV 666 sind wieder zurück. Die mittlerweile acht Finnen verfügen, je nach Aufstellung, über bis zu fünf Musiker, die gleichzeitig in die Saiten hauen. Straighten Rock gibt es aber weiterhin nicht, sondern eine etatmäßig verwirrende wie mitreißende Mischung aus Post Punk, Kraut, Gaze, Alternative, Psych und Synthetik. Fast viereinhalb Jahre nach „Aidattu tulevaisuus“ setzt es endlich Nachschub in Form von „Vapauden tasavalta“, was auf Deutsch so viel wie „Republik der Freiheit“ bedeutet. Entsprechend befreitet spielen die Nordlichter auf.

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Billy Zach

Billy Zach – A Momentary Bliss

Der Abgrund ist bei Billy Zach nicht nur omnipräsent, er scheint stets zum Greifen nah, wie das Hamburger Quartett bereits vor drei Jahren auf seinem Einstand „Struggle On“ zeigte. Gefühlt verfinsterte sich die Welt seither nur weiter, was sich auch auf den Sound auswirkt – traditionell bereits in melancholisch bis forschen Post-Punk-Gefilden angesiedelt, die nun eine zusätzliche Dosis Noise abbekommen. Auf „A Momentary Bliss“ entführt die Band in die Untiefen der gesellschaftlichen Unterstadt, stets dem moralischen und emotionalen Absturz nah.

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