Dredg – The Pariah, The Parrot, The Delusion

(c) Erik Weiss

Seit 2002 trägt Art Rock einen neuen zweiten Vornamen. Mit „El Cielo“ haben sich Dredg binnen kürzester Zeit auf die progressiv alternative Gitarrenlandkarte geschossen, ihr „Same Ol‘ Road“ hallt immer noch nach. Selbst der Schritt hin zu dezent konventionelleren Klängen auf „Catch Without Arms“ hat den Amerikanern nicht weh getan, sondern ganz im Gegenteil weitere atemberaubende Hymnen beschwert. Nach viel zu langer Auszeit steht nun „The Pariah, The Parrot, The Delusion“ in den Startlöchern, das die komplexesten wie auch eingängigsten Momente der Bandgeschichte beinhaltet.

Das Kondensat aus „El Cielo“ und „Catch Without Arms“ streckt sich über eine Stunde und setzt immer wieder von Neuem Ausrufezeichen. „Pariah“ wechselt zwischen Sprechgesang und einem überaus eingängigen Refrain, eröffnet das Album relativ progressiv. „Ireland“ schwelgt ebenfalls, lebt von seiner Gitarrenarbeit. Allerdings fällt auf, dass sich vor allem die überaus druckvoll wirkenden Drums in den Vordergrund drängen, das Album mehr oder minder diktieren, während sich Dredg von Refrain zu Refrain hangeln – immer groß, immer von überwältigender Schönheit.

„Gathering Pebbles“ mit einer Prise Jazz und überraschend roher Energie ist Vorbote für die nun folgenden drei großen Hits dieses Albums. Die Single „Information“ wandelt zwischen tanzbarem Beat und sehnsüchtigem Refrain. Keane und Konsorten sollten hier genau hinhören. „Saviour“ ist unerwartet hart, beinahe metallisch, und roh. Wütender Auftakt, prägnant schrammelnde Gitarren, Synthi-Einsatz – hammerharter Einstieg. Natürlich darf auch hier weder der melodische Höhepunkt, noch der progressive Mittelteil fehlen. „I Don’t Know“ hingegen ist von einer zwingend sommerlichen Leichtigkeit umgeben, scheint im Refrain einmal mehr über den Dingen zu schweben.

Natürlich ist das längst nicht alles. „Mourning This Morning“ entdeckt den Funk für sich, allerdings auf einen Dredg-typischen Jam ausgelegt. „Cartoon Showroom“ ist etwa eine Hommage an U2, oder zeigt den Ihren, wo der sprichwörtliche Hammer hängt – eine ergreifend vorgetragene Ballade. Das ausufernde „Quotes“ fasst das Album mehr oder minder zusammen, ist heavy, eingängig, progressiv, arty, beklemmend, direkt, verkopft. Dazu haben Dredg wieder eine Reihe an Interludes und Übergängen gebastelt – hier sei besonders die erhebende vierteilige Serie „Stamp Of Origin“ hervorgehoben – die „The Pariah, The Parrot, The Delusion“ zu einem großen Ganzen machen, fehlende Verknüpfungen herstellen.

Einfach ist der neue Dredg-Longplayer keineswegs. Selbst Hits wie „Saviour“ oder „Information“ benötigen den einen oder anderen Durchlauf, das Gesamtwerk entfaltet seine ganze Schönheit und Raffinesse mit viel Geduld. Außerdem ist „The Pariah, The Parrot, The Delusion“ ein typisches Kopfhörer-Album, denn anders ist es unmöglich die vielen faszinierenden Details wahrzunehmen. Das Beste von „El Cielo“ und „Catch Without Arms“ überrascht in vielerlei Hinsicht, hat sich seine lange Wartezeit mehr als nur verdient und könnte zum bisherigen Höhepunkt des Dredg’schen Schaffens werden. Letzteres wird sich aber erst mit etwas zeitlicher Distanz feststellen lassen können.

VÖ: 29.05.2009
Vertigo Berlin (Universal Music)
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