Junior – Self Fulfilling Prophets

Junior

Hier fehlt kein Senior, die heißen einfach nur so. Die deutsch-amerikanische Co-Produktion Junior – Songwriter Ian Fisher aus Missouri, Produzent Fabian Kalker aus Berlin – führt Scheuklappen zurück zu deren ursprünglichen vierbeinigen Besitzern mit einer Platte, die sich nicht so recht einordnen lassen will. „Self Fulfilling Prophets“ spielt sich irgendwo im Spannungsfeld zwischen Electro-Pop, Proto-Punk, Funk und Soul ab. Kategorisierung: fehlgeschlagen.

Führt die erste Single „I Don’t Listen Much“ nun auf eine falsche Fährte, oder gibt es im Fall dieses Albums keine sicher definierbare Linie? Fishers lakonische Vocals, gepaart mit brodelndem Bass und schlichten, hypnotisierenden Synthis, erinnern ein wenig an Hot Chip. Die Präsentation fällt spartanisch und, vielleicht gerade deswegen, aufregend aus. Während die Gitarre hier noch vergeblich gegen die zynischen Lyrics ankämpft, wird ihr in „Living In The Flesh“ etwas mehr Raum zugesprochen. Klassisches Indie-Geschrammel trifft auf 80s-Keyboards, Bontempi-Harmonien und, das überrascht vielleicht, Joy Division-Unterbau. Unterschwellig blubbert eine klassische Post Punk-Bassline mit – eine charmante Referenz.

Junior fühlen sich aber keineswegs in der Vergangenheit gefangen, auch wenn eine kauzig-harmonische Cover-Version von Bob Dylans „Spanish Harlem Incident“ zu den Highlights dieses Albums zählt. Als weitere Single könnte „At Least I Wrote A Song About It“ kommen, ein urkomischer Electro-Slow-Jam zu Beziehungskrisen mit Xylophon-ähnlichen Klängen. Eingerahmt wird die Platte durch zwei rockigere Tracks: das entfernt an Jamie T erinnernde „Die Bushwick“ und den etwas ungewöhnlichen Synthi-Schweine-Rock-Ausflug „Skindeep Times“ – schön dreckig, herrlich unorthodox.

„Self Fulfilling Prophets“ sagt in einer guten halben Stunde verdammt viel, deckt eine Fülle an musikalischen Bereichen ab und lässt doch, abgesehen von der viel zu knapp bemessenen Spielzeit, wenig Wünsche offen. Füllmaterial ist hier Fehlanzeige, dafür braucht es den einen oder anderen Durchlauf, um diesen Junior-Einstand zu erfassen. Kleine und größere Überraschungen lassen den Fluss dieses Debüts erst dann erkennen, wenn man sich näher damit befasst. Über Umwege, über mehrere Anläufe schlägt die gemeinsame Platte von Fisher und Kalker doch ein – ein Versprechen für die Zukunft, ein kunterbuntes, kauzig-eingängiges Werk, das ab April auch live entsprechend vorgestellt wird.

Junior - Self-Fulfilling Prophets

Self Fulfilling Prophets
VÖ: 28.02.2014
popup-records (Cargo Records)

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