Beesus – Sgt. Beesus… And The Lonely Ass Gangbang!

Beesus

Ein bisschen Wahnsinn kommt immer gut – dachten sich wohl auch Beesus, schnallten ihre Gitarren an und stürzten sich auf eines der wildesten und zugleich wirrsten Alben der letzten Monate. Die Herren aus der ewigen Stadt Rom halten herzlich wenig von Amore, das bleibt wohl Wanda vorbehalten. Stattdessen treffen sich Punk, Stoner, Doom, Garage Rock und Psychedelia zu einem ausgeflippten Mix mit starker 90s-Schlagseite. An „Sgt. Beesus… And The Lonely Ass Gangbang!“ ist nicht nur der Titel schräg.

Die Suche nach so etwas wie einem gemeinsamen musikalischen Nenner wird zur Sisyphusarbeit, schließlich passiert in diesen 39 Minuten viel, eigentlich fast zu viel. Herzstücke sind sicherlich die beiden Neunminüter, deren zähes Stoner-Doom-Antlitz an die Substanz geht. So versucht sich der Rausschmeißer „Beaux“ an nölender Zeitlupenarbeit, betont zäh und doch auf gewisse Weise schräg, von dicken Gitarren fortgetragen. „Ñuña Y Freña“ startet viel zu spät durch, verliert sich zuvor in avantgardistisch-psychedelischen Belanglosigkeiten, die leider herzlich wenig mit guten Ideen zu tun haben. Immerhin macht das mächtige, angenehm laute Finale ordentlich Wind.

Neben dieser Schwachstelle können Beesus aber auch richtig in die Vollen gehen. Der Opener „El Dude“ wirkt zäh, bissig und klingt wie die noisigen Sub-Pop-Anfänge – ein sperriges Brett mit hohem Suchtfaktor, wie es auch von Metz stammen könnte. „I Don’t Wanna Die“ deutet etwas glattere, geradlinigere Töne an, verrennt sich schließlich aber in endlosen Experimenten, Math-Jazz-Improvisationen und metallischen Drumsalven. Das liest sich vielleicht unnötig kaputt, macht aber mindestens so viel Laune wie der straighte, verrauchte Garage-Punker „Reichl“ mit seinem dicken Stoner-Riff.

Alles andere als nett und ordentlich: „Sgt. Beesus… And The Lonely Ass Gangbang!“ pendelt zwischen krudem Humor und noch abgewrackterem Sound. Die längeren Tracks hauen zwar nicht immer so recht hin, zwischendurch packen die Römer aber so manchen netten Rocker, noisigen Zeitgenossen und ruppigen Stoner-Ausflug an. Freilich, Feinmotoriker sollten einen weiten Bogen um das neue Beesus-Album machen, unterhalten kann der (selbst-)zerstörerische 90s-Gitarren-Mix aber allemal.

Beesus - Sgt. Beesus... And The Lonely Ass Gangbang!

Sgt. Beesus… And The Lonely Ass Gangbang!
VÖ: 02.03.2018
New Sonic Records

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