Surf Curse – Heaven Surrounds You

Surf Curse
(c) Matthew James-Wilson

Lieder über Herzschmerz und Entfremdung, direkt aus dem jugendlichen Leben gegriffen, beschäftigten Surf Curse zu Beginn ihrer Karriere. Das ist bald zehn Jahre her, damals spielten Nick Rattigan und Jacob Rubeck noch punkigen Rock. Kürzlich zog das Duo von Reno nach Los Angeles, zugleich wurde der Sound eine Spur sonniger und verträumter. Indie Rock, Post Punk und ein wenig Dream-Pop geben sich auf dem mittlerweile dritten Studioalbum „Heaven Surrounds You“ die sprichwörtliche Klinke in die Hand.

Die flirrenden Gitarren, der verwaschene Sound, die vogelwilden Harmonien: Was Surf Curse auf ihrem Drittling anlancieren, ist gleichermaßen eingängig und schräg. „Disco“ steht wie kein anderer Song für den leicht kauzigen Charme des Duos. Wie der Track immer und immer wieder in seinen vorwitzigen, dem Wahnsinn verfallenden Refrain rutscht, macht Laune. Das schräge Falsett und die tanzbare Grundstimmung machen Laune. „Safe“ entdeckt bewegende Melodik und ein wenig Wave für eine Umdeutung des Motivs, während „Jamie“ die lustige Idee auf gleich fünf Minuten ausdehnt. Mehrere kleine Zäsuren, sympathisches Pop-Appeal und der beinahe Soundtrack-artige Abschluss erinnern an Vampire Weekend.

Mit seinem hibbeligen Post Punk und einer Gitarrenmelodie direkt aus der Garage treibt „Dead Ringers“ das eigene Arrangement zweieinhalb Minuten vor sich hin. Das wirkt atemlos, kommt aber gut. „Maps To The Stars“ setzt sogar noch einen drauf. Nicht zum ersten Mal erinnert das Duo ein wenig an die Foals, tritt gleich mehrere Stoßwellen los und findet doch immer wieder zu himmlischen Surf-Harmonien zurück. Das butterweiche „Opera“ als semi-balladesker Exkurs mit melancholischen Untertönen bringt schließlich eine gänzlich neue Facette ein. „Labyrinth“ gelingt das mit Abstrichen. Fühlt man sich zunächst noch an das britische Post-Punk-Revival um den Jahrtausendwechsel erinnert, kuscheln sich warme Synthie-Teppiche schließlich am Fußende zusammen.

Binnen Sekunden greifen Surf Curse zu und lassen nicht mehr los. Ihr drittes Album ist auch bislang ihr bestes, die musikalische Entwicklung wirkt wahre Wunder. „Heaven Surrounds You“ macht seinem Namen alle Ehre. Deutlich sonnigere Klänge bewegen und reißen mit, der unmissverständliche, dezent verschmitzte Charme dieser Platte trägt ihr Übrigens bei. Zwischen Surf-Schwelgen, Post-Punk-Tanzbarkeit und einwandfreiem Gitarrenrock breitet sich ein kleiner Leckerbissen mit hohem Suchtfaktor aus, an dem man einfach nicht vorbeikommen darf.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 01.11.2019
Erhältlich über: Danger Collective Records (Membran)

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