Kategorie: Reviews & Previews

John Glacier

John Glacier – Like A Ribbon

Rapperin, Dichterin, Produzentin: John Glacier ist eine Künstlerin von vielfältigen Talenten. In eine kinderreiche, traditionelle jamaikanische Familie geboren und im Londoner Stadtteil Hackney mit Grime, Country und Reggae aufgewachsen, schien ihr die Musik in die Wiege gelegt. Und doch geht sie ihren eigenen Weg, wortreich und bestimmt. Bereits auf ihren ersten Tracks zeigte sich ein gewisses Faible für das gesprochene Wort, das die Poesie dem HipHop-Vortrag vorzieht, während die Beats die Post-Moderne mit einem Kaleidoskop konfrontieren. „Like A Ribbon“ ist das erste komplette Album.

Weiterlesen
The Wombats

The Wombats – Oh! The Ocean

Nach gut zwanzig Jahren im Geschäft haben The Wombats endlich ihr erstes Nummer-Eins-Album im Gepäck. „Fix Yourself, Not The World“ eroberte die Spitzenposition in der britischen Heimat, während es hierzulande einmal mehr für die Top 40 reichte. Mehrere starke Tourneen und Festival-Auftritte, darunter ein aus allen Nähten platzendes Radio One Tent beim Reading Festival im Vorjahr, sprechen für die ungebrochene Popularität des Trios. Nun legen die Herren aus Liverpool einen drauf: „Oh! The Ocean“ traut sich noch mehr, klingt poppiger und verspielter, ohne sich vom bisherigen Schaffen zu distanzieren.

Weiterlesen
Horsegirl

Horsegirl – Phonetics On And On

Kann, nein, soll man bei einem zweiten Album schon von einem Neustart sprechen? Das klingt wohl etwas überzeichnet, und doch ist in den zweieinhalb Jahren seit „Versions Of Modern Performance“, dem ersten Album des Trios Horsegirl, so viel passiert. Die besten Freundinnen zog es nach New York, wo zwei der drei Musikerinnen die Universität NYU besuchen, dennoch ging es – ausgerechnet an den kältesten Tagen des Jahres – für die Aufnahmen zurück nach Chicago. Zudem widmete man sich gemeinsam mit Cate Le Bon einer betont minimalistischen Öffnung, von Reduktion beeinflusst. „Phonetics On And On“ klingt entsprechend frisch, ohne den schrammelnden Pop-Kern aufzugeben.

Weiterlesen
Bloke

Bloke – Living Without Expectations

Fünf Jahre verbrachte der Berliner Künstler Jakob Buraczewski in der alternativen Musikszene Londons. Im Norden der britischen Hauptstadt fand sich seine Band Bloke, inzwischen wieder zurück nach Deutschland übersiedelt. Die Mischung aus Psych, Noise und Krautrock, durch Garage-Ausritte gekonnt gestreckt und erweitert, führte zu einer Fülle an Club-Konzerten und einem mehr als guten Namen in der Underground-Szene, durch zwei starke Singles unterstrichen. Inzwischen griffen die Feinschmecker von Tonzonen Records für eine erste EP zu. „Living Without Expectations“ verweigert die Erwartungshaltung und erfüllt diese dennoch auf allen Ebenen.

Weiterlesen
Squid

Squid – Cowards

Es ist das Ergebnis harter Arbeit und zugleich ihr bislang bestes Album: Squid zeigen sich im Vorfeld ihrer dritten Platte euphorisch, und das ist kein Wunder, tragen sie das Material doch schon lange mit sich herum. Im Großen und Ganzen war der Stoff bereits aufgenommen und abgeschlossen, als „O Monolith“ im Sommer 2023 erschienen war. Auf Tour überlegte man sich neue Feinheiten, holte sich allerlei Gäste ins Studio, um neue Instrumente und Ideen zu verwirklichen, und fügte den kniffligen Fleckerlteppich schließlich zusammen. „Cowards“ zeigt eine eingespielte Band, die geradezu blindes musikalisches Verständnis für eine erneute imposante Evolution heranzieht.

Weiterlesen
Death By Unga Bunga

Death By Unga Bunga – Raw Muscular Power

Wider der Unsicherheit schnallen sich Death By Unga Bunga einmal mehr die Gitarren um und legen beherzt los. Das Quintett aus dem norwegischen Moss setzte sich bereits 2021 gegen „Heavy Male Insecurity“ ein und bekämpft diese Epidemie nun weiter. Erwachsen sollen andere werden, denn der angepunkte Rock aus der Garage funktioniert weiterhin dann am besten, wenn man einfach macht: „Raw Muscular Power“ geht die Angelegenheit – wenig überraschend – mit roher Gewalt an, schüttelt Hooks in rauen Mengen aus dem Ärmel und realisiert im Vorbeigehen die ureigene Scandi-Rock-Vision.

Weiterlesen
Rikas

Rikas – Soundtrack For A Movie That Has Not Been Written Yet

Ein Gefühl der Rastlosigkeit, aber auch der Gemeinschaft begleitete die Arbeiten am zweiten Album der Stuttgarter Alt-Pop-Feinschmecker Rikas. Das Debüt „Showtime“ hat fünf Jahre auf dem Buckel, zwischenzeitlich erschienen zwei EPs, zudem fühlte man sich zwischen verschiedenen Orten hin- und hergerissen. Entsprechend entstanden die Songs an verschiedenen Plätzen, unter anderem Los Angeles und Amsterdam, bevor letztlich in Berlin aufgenommen wurde. Und doch fällt „Soundtrack For A Movie That Has Not Been Written Yet“ charmant, sonnig und bewegend aus, getrieben und sanftmütig zugleich.

Weiterlesen
Bikini Beach

Bikini Beach – Cursed

Ein Album der Gegensätze wollten sie aufnehmen, voller Widersprüche und neuer Finsternis. Bikini Beach beobachten die globalen und gesellschaftlichen Entwicklungen überaus nachdenklich und frustiert. Das hört man dem deutsch-schweizerischen Trio, das rund um den Bodensee wohnt, mehr denn je an. Überwiegend in Eigenregie produziert und von Ärzte-Bassist Rod Gonzalez abgemischt, geht „Cursed“ in eine deutlich düsterere, noisigere Richtung, ringt mit persönlichen Problemen und der steten Überforderung durch all das, was ringsum passiert. Dass diese 13 Songs dennoch verdammt souverän und intensiv rüberkommen, passt ins Bild.

Weiterlesen
The Vices

The Vices – Before It Might Be Gone

Der Blick nach innen ist ein beliebtes Stilmittel – für manche unverzichtbar, während ihn andere erst im Laufe der Jahre, der Karriere entdecken. The Vices gehören mit Sicherheit zu zweiterer Kategorie. Das Quartett aus dem niederländischen Groningen sang auf den beiden bisherigen Platten von sozialen Ereignissen – mal näher, mal weiter vom eigenen Mikrokosmos entfernt – und verändert nun tatsächlich den Fokus. „Before It Might Be Gone“ verstehen sie als rohe, ehrliche Selbstreflexion einer Person, die sich erstmalig selbst begegnet, und dies zum Anlass einer Reise voller Veränderungen nimmt.

Weiterlesen
Flash Forward

Flash Forward – Renegade

Eine der umtriebigsten deutschen Rockbands meldet sich zurück. Im Herbst 2010 im Ruhrgebiet gegründet, können Flash Forward mittlerweile auf sechs Alben zurückblicken, schafften es in die Charts, entwickelten ihren anfangs im Pop-Punk beheimateten Sound kontinuierlich weiter und etablierten sich als Live-Macht, sei es bei eigenen Touren oder als beliebter Support-Act. So kann es weitergehen, und genau das tut es auch: „Renegade“ stellt sich den Herausforderungen des Lebens, geht offen mit vielfältigen und gerne mal widersprüchlichen Gefühlen um, und entwickelt zugleich Pop-Sensibilitäten weiter, ohne dabei an Rock- und Alternative-Power einzubüßen.

Weiterlesen

Wir verwenden Cookies. Cool?